IT4IT™ kompakt – das IT-Management Framework auf den Punkt gebracht

Management Summary

  • IT4IT™ – Information Technology for Information Technolgy – ist eine Referenzarchitektur, ein Framework und ein Standard für das Management von digitalen Produkten. Seit Herbst 2022 liegt der Ansatz in der Version 3.0 vor.
  • Ein Digitales Produkt ist ein Service bzw. ein physischer oder digitaler Gegenstand, der einem Nutzer zu einem Preis ein vereinbartes spezifisches Ergebnis erbringt. Das Produkt fußt auf Software.
  • Für das Management des Digitalen Produktes entlang seines Lebenszyklus sieht IT4IT™ das Digital Value Network vor. Dieses gliedert sich in 33 Funktionalgruppen, 44 Datenobjekte und 7 Wertströme.
  • Für den Einsatz muss das IT-Management Framework auf die Bedarfe, Ziele und Randbedingungen einer Organisation angepasst werden.
  • IT4IT™ ist eine eingetragene Marke von The Open Group, ein 1996 gegründetes Industriekonsortium mit über 870 teilnehmenden Organisationen.

Was ist IT4IT™?

IT4IT™ ist eine Referenzarchitektur von The Open Group, die Sie unterstützt…

  • Ihre Informationstechnik (IT) unternehmerisch zu führen sowie
  • den Lebenszyklus der durch die IT bereitgestellten digitalen Produkte zu managen.

Grundidee des Ansatzes ist die neue Rolle die IT für Unternehmen einnimmt. Ging es bisher vorrangig um Technologie und Projektmanagement, muss sich die IT zum Anbieter von digitalen Produkten entwickeln. IT als Business Innovation Zentrum, dass die softwarebezogenen Service Angebote für interne und externe Kunden bereitstellt.

Konsistente Begriffe

Digitales Produkt, Lebenszyklus, IT-Management

Ausmodellierte Konzepte

Funktionsgruppen, Wertströme, Datenobjekte

Vollständige Produktorientierung

Digitale Angebote, Wertnetzwerk, Kundennutzen

Seit Herbst 2022 liegt IT4IT™ in der Version 3.0 vor. Das Rahmenwerk ist technologie-, hersteller-, organisations-, industrie-, produkt- und prozessunabhängig.

Geistiger Schöpfer ist The Open Group, ein globales Konsortium von Softwareherstellern, Wissenschaftlern, Unternehmensberatern und Systemdienstleistern. Selbstgestecktes Ziel der weltweit operierenden Organisation ist die Unterstützung bei der Erreichung von Geschäftszielen auf Basis von Technologiestandards. Neben IT4IT™ stammt das Enterprise Architecture Rahmenwerk TOGAF® sowie die Unternehmensmodellierungssprache ArchiMate® von The Open Group.

„Leider entfallen in IT4IT™ Version 3.0 die eingängigen Funktionsbezeichnungen Strategy to Portfolio (S2P), Requirement to Deploy (R2D), Request to Fulfill (R2F) bzw. Detect to Correct (D2C) für Planen, Bauen, Liefern bzw. Betreiben. Auch weicht die IT Value Chain dem Digital Value Network.“

Dr. Christopher Schulz

Worin liegt der Nutzen von IT4IT™ für das Management von Informationstechnik?

Als IT-Projektleiter, Enterprise Architect, Product Owner bzw. Chief Information Officer liefert Ihnen IT4IT™…

  • einen produktorientierten Denk- & Strukturierungsrahmen mit dem Sie Digitale Produkte auf Basis eines Vertrags an Nutzer bereitstellen.
  • einen detailliert beschriebenen Begriffsapparat, angefangen bei der Strategie bis zum Betrieb eines Digitalen Produkts.
  • einen Orientierungsrahmen von Funktionsbausteinen, Wertströmen und Datenobjekten relevant im IT-Management.
  • detaillierte branchen- und produktneutrale Konzeptmodelle für das produktorientierten Management von IT.

Die Stärke von IT4IT™ liegt im genauen Ausmodellieren von Aktivitäten, Daten und Stakeholdern, erforderlich für das Management eines Digitalen Produktes entlang seiner Lebensphasen.

Welche Elemente beinhaltet die Referenzarchitektur?

Nachfolgend wichtige Kernkonzepte der IT4IT Reference Architecture zusammengefasst auf wesentliche Punkte. Einzelheiten finden Sie im Top-Down-strukturierten Dokument von The Open Group.

Digital Product

Dreh und Angelpunkt von IT4IT™ ist das Digitale Produkt. Nach dem Rahmenwerk handelt es sich um einen Service bzw. physischen oder digitalen Gegenstand, welcher einem Nutzer zu einem Preis ein vereinbartes spezifisches Ergebnis erbringt. Dabei beinhaltet und benötigt das Produkt für die Realisierung seines Angebots explizit Software.

Typische Vertreter für Digitale Produkte sind eCommerce Webseiten (z.B. Amazon.de), Mobile Apps (z.B. Fitness App Freeletics), Unternehmensanwendungen (z.B. SAP ERP), Smarte Geräte (z.B. Apple Watch) sowie Digitalplattformen (z.B. Google Play Store).

IT4IT

Aufbau und Interaktionen eines Digitalen Produkts (Quelle: auf Basis IT4IT™ 3.0)

Ein Digitales Produkt kann andere Digitale Produkte enthalten, von diesen genutzt werden bzw. mit diesen anderweitig in Beziehung stehen. Es kann zudem innerhalb oder außerhalb der bereitstellenden Organisation genutzt werden.

Der Nutzer des Produktes ist entweder ein Mensch (z.B. interner angestellter Mitarbeiter, externer zahlender Kunde) oder eine Maschine (z.B. anderes Digitales Produkt). Er bzw. sie konsumiert das Digitale Produkt auf Basis eines Service-Angebots (engl. Service Offering), ein Vertrag mit Nutzungsvorgaben, Gütemerkmalen und Preisinformationen für den definierten Produktinstanz.

Digital Value Network

Aufbau, Weiterentwicklung und Ausphasung eines Digitale Produkts erfolgt im Zentrum des Digitalen Wertenetzwerks (engl. Digital Value Network). Ziel des digitalen Managementmodells das Liefern von Mehrwert. Im Produktenetzwerk interagiert Ihr Produkt mit Geschäftspartnern, Nutzern, Rechtsvertretern sowie Dienstleistern.

IT4IT

Interaktion des IT4IT Digital Value Networks mit unterstützenden Funktionen und Stakeholdern (Quelle: auf Basis IT4IT™ 3.0)

Das Digital Value Network enthält die Functionality Groups und die Value Streams.

IT4IT Functionality Groups

Wiederum beinhaltet das Digital Value Network fünf Hauptfunktionsgruppen (engl. Functional Groups), allesamt erforderlich für die Bereitstellung Ihres Digitalen Produkts:

  • Planen (engl. Plan) – Management der digitalen Strategie und Portfolio
  • Bauen (engl. Build) – Bau eines digitalen Produkts auf Basis von Anforderung
  • Liefern (engl Deliver) – Einsatz und Nutzung eines digitalen Produktes
  • Betreiben (engl. Run) – Erkennung und Korrektur von Fehlern
  • Unterstützen (engl. Supporting) – Flankierung mit Querschnittsaufgaben wie Finanzen oder Personalmanagement

Diese allesamt als Verb formulierte Funktionscluster bricht das Rahmenwerk in 14 Unterfunktionsgruppen (engl. Sub-Functional Groups) herunter, wobei diese für Plan, Build, Deliver und Run weiter in 33 Funktionskomponenten (engl. Functional Components) mit 44 Datenobjekten (engl. Data Objects) unterteilt werden.

IT4IT

Management des Digitalen Produkts entlang seines Lebenszyklus mittels Funktionsgruppen und Wertströmen (Quelle: auf Basis IT4IT™ 3.0)

Die Unterfunktionsgruppen sowie unterstützenden Funktionen modelliert die IT4IT™ Standarddokumentation diszipliniert aus. Neben den Verbindungen zu den IT4IT Value Streams werden zentrale Datenobjekte (engl. Data Objects) wie ‚Policy‘, ‚Strategic Theme‘ oder ‚Architecture Roadmap‘ detailliert.

IT4IT Value Streams

In IT4IT™ durchziehen sieben Wertströme (engl. Value Streams) die Functionality Groups. Entlang des Lebenszyklus des digitalen Produktes beschreiben diese als Verb formulierte Management-Aktivitätsbündel, wie dem Nutzer mit dem digitalen Produkt ein Mehrwert gestiftet wird.

  • Evaluieren (engl. Evaluate) – Bewertung des Portfolios digitaler Produkte
  • Erkunden (engl. Explore) – Erkundung neuer Eigenschaften und zukünftiger Entwicklungsrichtung eines digitalen Produkts
  • Integrieren (engl. Integrate) – Bau eines neuen Releases des digitalen Produkts
  • Deployen (engl. Deploy) – Installation einer Instanz des digitalen Produkts in der operativen Produktivumgebung
  • Releasen (engl. Release) – Bereitstellung und Veröffentlichung des instanziierten digitalen Produkts als Serviceangebot
  • Nutzen (engl. Consume) – Zugriff und Nutzung des digitalen Produktes durch einen Kunden
  • Betreiben (engl. Operate) – operativer Betrieb der Instanz des digitalen Produkts

Auch hier enthält die offizielle IT4IT™ Standard Dokumentation jede Menge Details zu den einzelnen Wertströmen. Neben einem Überblick erhalten Sie für einen Value Stream wichtige Stakeholder, Abhängigkeiten und Einsatzszenarien sowie Datenobjekte.

 

„Die Functionality Groups bilden einen guten Startpunkt für das Capability Mapping. Nutzen Sie die Funktionsgruppen als Ausgangspunkt für die Kernfähigkeiten Ihrer IT-Organisation.“

Dr. Christopher Schulz

Was sind Kritikpunkte am IT für IT-Rahmenwerk?

  • Konzeptionelles Schwergewicht: Functionality Groups, Digital Value Network, Value Streams, Digital Product, Backbone Object – schnell verlieren wir uns in den zahlreichen (durchgängig positiv formulierten) Konzepten von IT4IT™. Dabei ist das Rahmenwerk ein Hilfsmittel um mit IT einen Wert zu schöpfen und kein Selbstzweck.
  • Überbordende Dokumentation: Rund 300 eng beschriebene englischsprachige PDF-Seiten definieren die Referenzarchitektur. Bis wir uns durchgearbeitet haben und das Framework erstmalig anwenden können, vergehen mehrere Stunden. Zum Vergleich: dem Scrum Guide Edition 2020 reichen 14 Seiten.
  • Geringer Umsetzungsbezug: Wie viele Digitale Produkten hat ein Mittelständler durchschnittlich im Portfolio? In welchem Value Stream hakt es regelmäßig in der Praxis? Welche Stolperfallen sind bei der Sourcing & Vendor Management Function zu beachten? Konkrete Erfahrungswerte suchen Sie in IT4IT™ vergeblich.
  • Überlappungen mit anderen Frameworks: Ob COBIT, ITIL 4 oder SAFe® oder Digital Design Professional – mehrere Konzepte von IT4IT™ sind uns aus anderen IT-(nahen) Rahmenwerken, Standards bzw. Best Practice Ansätzen bekannt. Die Lücke, die das The Open Group Rahmenwerk füllen möchte, ist begrenzt.

„Verwenden Sie IT4IT™ nicht als Vorgehensanleitung, sondern als Konzeptrahmen für Ihr produktorientiertes IT-Management. Der Standard definiert haarklein Funktions-, Daten- und Rollenbausteine einer IT-Organisation.“ 

Dr. Christopher Schulz

Fazit

Im IT-Management folgte dem Konzept des IT-Systems der IT-Service. Mit IT4IT™ übernimmt nun das Digitale Produkt. Neu ist die Produktdenkschule nicht. Schon agile Ansätze wie SCRUM oder LeSS stellen das Produkt ins Zentrum der Steuerungs- und Umsetzungsaktivitäten.

Doch IT4IT™ geht es nicht um das ‚Wie‘ eines Produktes, den Entwicklungsaufgaben, Rollendefinitionen oder Meeting-Strukturen. Vielmehr fokussiert der The Open Group Standard und seine mittels ArchiMate® ausmodellierten Value Streams auf das ‚Was‘, dem Digitalen Produkt, seinen Instanzen sowie Service Angeboten. Damit komplettiert das Framework agile Projektmanagementansätze.

Da mehr und mehr Wertschöpfung auf Software fußt, digitale Angebote wie Pilze aus dem Boden schießen und auch klassische Produkte ihren Fuß in die virtuelle Welt setzen, ist der von IT4IT™ eingeschlagene produktorientierte IT-Management-Kurs aus unserer Sicht richtig.

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Dr. Christopher Schulz

Dr. Christopher Schulz

Business Analyst, Enterprise Architect & Projektmanager

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