Der Product Owner – alle Aufgaben, Kompetenzen & Verantwortungen eines Produkteigentümers

Management Summary

  • Ein Product Owner verantwortet ein Produkt. Sein Hauptziel ist es, den Wert des Produktes für Kunden und Unternehmen zu maximieren.
  • Der Product Owner definiert die Eigenschaften und Merkmale des Produktes. Anders als ein Projektleiter obliegt ihm nicht die Entscheidung, wie das Produkt durch das Entwicklungsteam umgesetzt wird.
  • Mit wachsender Popularität von agilen Prozessrahmenwerken wie Scrum setzt sich die Rolle des Product Owners in immer mehr IT- und Fachbereichen durch.

Wer oder was ist ein Product Owner?

Sie sind frisch gebackener Product Owner, kurz PO. Herzlichen Glückwünsch! Nach dem agilen Prozessrahmenwerk Scrum füllen Sie damit eine zentrale Rolle in Entwicklungsprojekten aus. Als Product Owner sind Sie verantwortlich für den unternehmerischen Erfolg eines Produktes. Das Produkt kann dabei ein IT-System, eine Smartphone App oder ein anderes (meist technisches Gerät) sein.

Sind Sie der Produkteigentümer, bestimmen Sie die aktuellen und zukünftigen Produkteigenschaften und -merkmale. Ihr Hauptziel: Maximierung des Produktmehrwertes für Kunden, Nutzer sowie weitere Stakeholder und damit gleichzeitig Maximierung des Return on Investments (RoI) für Ihr Unternehmen.

Scrum empfiehlt, die Produkteigentümerschaft an genau eine Person zu übertragen und rät von organisatorischen Konstruktionen wie einem Proxy Product Owner ab. Will heißen: Als Product Owner können Sie von einem Personenkreis unterstützt werden und an diesen auch Aufgaben delegieren – die finalen (Weiter-)Entwicklungsentscheidungen liegen jedoch einzig und allein bei Ihnen. Englisch ausgedrückt: Für Ihr Produkt bleiben Sie stets „in charge“.

Was macht ein Product Owner?

Was fällt als Product Owner in Ihren Aufgabenbereich. Eine Vielzahl von Tätigkeiten. Gehen wir diese kurz nacheinander durch.

Entwicklung der Produktvision & Roadmap

Für Ihr Produkt benötigen Sie eine Produktvision, ein erstrebenswertes Zielbild. Nutzen Sie Leitfragen wie…

  • Wer sind die Zielgruppen?
  • Worin bestehen deren Bedarfe?
  • Welche Merkmale besitzt das Produkt?
  • Auf welche Ziele zahlt es ein?

…und erarbeiten Sie daraus eine prägnante und merkbare Vision. Fixieren Sie im gleichen Zug den Scope und grenzen Sie gegen Funktionen und -Charakteristika ab, die sich explizit nicht im Betrachtungsbereich Ihres Produktes befinden.

Steht die Produktvision leiten Sie aus dieser die Product Roadmap an. Erneut helfen Ihnen Leitfragen.

  • Wann erhält ein Nutzer welche Funktion?
  • Zu welchem Zeitpunkt wird für den Kunden welcher Mehrwert realisiert?
  • Bis zu welchem Termin kann dem Sponsor das vertraglich vereinbarte Produkt geliefert werden?
  • Welche Updates verröffentlichen wir wann am Markt?

Tragen Sie auf der Roadmap die Leistungssstufen bzw. Releases ein.

Beobachtung des Marktes

Halten Sie in der Rolle des Product Owners Ihre Hand am Puls des unternehmensinternen und -externen Umfeldes. Scannen Sie Vorgängerprodukte und Wettbewerbsangebote. Betreiben Sie Marktforschung und Beobachten Sie Alternativlösungen.

  • Jobs-to-be-Done: Welches Konkurrenzprodukt erledigt die gleiche Aufgabe für die Nutzer?
  • Feldrecherche: Welche Systeme von angrenzenden Branchen könnten dem Produkt gefährlich werden?
  • Umfeldanalyse: Welche die politischen, sozialen, ökonomischen, technischen und rechtlichen Trends wirken auf das Produkt und seine Kunden?
  • Minimum Viable Product: Wer experimentiert aktuell am Markt mit neuen Wertangeboten?

Leiten Sie aus Ihrer Umfeldanalyse Anforderungen an das Product Backlog ab.

Management des Product Backlogs

Dreh- und Angelpunkt Ihrer Product Owner Tätigkeit ist das Product Backlog. Mit ihm dokumentieren, priorisieren, verwalten und kommunizieren Sie Anforderungen an das Produkt. Diese können

  • die Umsetzung neuer Features,
  • das Ausmerzen bestehender Defekte,
  • den Erwerb neuem Wissens sowie
  • technische Aufgaben

umfassen.

Inhalt und Sortierung des Product Backlogs reflektieren Ihre Produktentscheidungen. Wichtige Anforderungen warten ausdetailliert ganz oben auf die baldige Abarbeitung durch das Entwicklungsteam. Unreife Ideen und potentielle Optionen wiederum schlummern undefiniert weit unten im Backlog. Mit dem Product Backlog definieren Sie Produkinhalte und ihr Auslieferungsdatum.

Sorgen Sie dafür, dass Ihr Backlog einfach und schnell aufruf- und einsehbar ist. Insbesondere Ihr Entwicklungsteam sollte die Top-Einträge eindeutig verstehen und unmittelbar umsetzen können.

Vision & Roadmap

Entwicklung, Kommunikation und Nachverfolgung

Marktumfeld

Vorgänger, Wettbewerber und Trends

Product Backlog

Verfeinerung, Priorisierung und Kommunikation

Stakeholder

Anforderungen, Feedback und Rahmenbedingungen

Abnahme & Freigabe

Review, Bestätigung und Release

Management der Stakeholder

Als Product Owner sind Sie Außenminister. Ihnen obliegt die Aufgabe der teamexternen Kommunikation zum Zustand, den Funktionen sowie Besonderheiten Ihres Produktes heute, morgen und in Zukunft. Dazu interagieren sie fortwährend mit verschiedenen Produkt-Stakeholdern wie beispielsweise…

  • Entwicklungsteam und Betriebsverantwortliche,
  • Nutzer, Käufer, Investoren sowie
  • Parallelprojekte, Projektprogramme und Gremien.

Die Stakeholder liefern Ihnen neue bzw. geänderte Anforderungen, geben Feedback und  setzen die zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen.

Nutzen Sie neben dem Produkt auch die Vision, die Roadmap und das Product Backlog in Ihren Diskursen mit den Interessensvertretern. Erheben Sie neue Anforderungen auf Basis aktueller Techniken des Requirements Engineerings. Bauen Sie Austauschbrücken zwischen Ihrem Produkt und seinem sozialen Umfeld. Machen Sie Ihr Produkt zum Produkt der Stakeholder.

Abnahme & Freigabe von Produkterweiterungen

Schließlich nehmen Sie als Product Owner die vom Entwicklungsteam durchgeführten Erweiterungen und Optimierungen an Ihrem Produkt ab. Scrum führt hierzu das Review Meeting am Ende einer Umsetzungsphase – dem Sprint – ein.

Begutachten Sie in der gemeinsamen Arbeitssitzung die gelieferten Arbeitsergebnisse hinsichtlich der zuvor formulierten Anforderungen.

  • Bestätigen Sie erfolgreiche Anforderungsumsetzungen als Teil der neuen Ausbaustufe, dem Produktinkrement.
  • Lehnen Sie partiell bzw. fehlerhaft Anforderungsumsetzungen ab und legen Sie die angepasste Anforderung zurück ins Product Backlog.

Halten Sie nach, wo Sie auf der Roadmap stehen. Kann der Terminplan für die Veröffentlichungen bzw. Releases noch gehalten werden? Müssen Anforderungen umpriorisiert werden? Lässt sich die Vision für das Produkt im gesteckten Zeitrahmen erreichen? Als Product Owner sind Sie auskunftspflichtig.

Product Owner

Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung eines Product Owners

Welche Fähigkeiten und Kompetenzen benötigt ein Product Owner?

Auf Basis Ihrer Product Owner Tätigkeiten leiten sich klare Fähig- und Fertigkeiten ab. Im Schnelldurchlauf:

  • Unternehmerisches Denken über den optimalen Einsatz von Ressourcen und Arbeitskraft
  • Kommunikationsgeschick bei Interaktion mit den verschiedenen Produktinteressensgruppen
  • Entscheidungsfreudigkeit umzusetzender neuer oder verbesserter Produkteigenschaften
  • Fachwissen und technisches Verständnis bei der Formulierung und Kommunikation der Produktanforderungen
  • Analytische Fähigkeiten bei Zerlegung des Produktes in (abhängigen) Teilfunktionen
  • Marktexpertise mit Blick der Käufer, Nutzer und Entscheider Ihres Produktes

Sie sind der Product Owner und haben damit die letzte Entscheidung bzgl. Ihres Produktes.

Wofür ist ein Product Owner verantwortlich?

Ihre Rolle steht für den Erfolg Ihres Produktes. In Konsequenz sind Sie für die vorgelagerten Ergebnistypen Product Backlog und Product Vision und Roadmap verantwortlich.

Damit grenzen Sie sich als Product Owner gegen andere Projekt- und Produktrollen ab.

  • Projektleiter: Legt sowohl das Produkt (das ‚Was‘) als auch seine Umsetzung (das ‚Wie‘) fest.
  • Scrum Master: Optimiert den Arbeitsfluss in einem agilen Entwicklungsprojekt.

Wie wird man zertifizierter Product Owner?

Das Handwerk des Product Owners können Sie erlernen. Wir empfehlen eine Weiterbildungn auf Basis des Scrum Frameworks. Ende 2020 stehen Ihnen dazu zwei große Schulen zur Verfügung.

Scrum-Co-Gründer Jeff Sutherland bietet Ihnen mit seiner Scrum Alliance, Inc. den Certified Scrum Product Owner® (CSPO®). Dieser setzt die Teilnahme an einem 16-stündigen kostenpflichtigen Training sowie die einem 1:1 Kurs mit einem Certified Scrum Trainer® (CST®) voraus. Um die Zertifizierung zu halten, haben Sie im 2-Jahresrhythmus die Beschäftigung mit Scrum nachzuweisen, beispielsweise durch das Lesen von Büchern oder der Teilnahme an Konferenzen. Zudem werden 100 Dollar Erneuerungsgebühren fällig.

Ken Schwaber – ebenfalls Scrum-Mitgründer – offeriert mit seiner Firma Scrum.Org den Professional Scrum Product Owner™ Level 1 (PSM 1). Um den Titel zu erhalten müssen Sie sich der Materie per Training oder im Selbststudium beschäftigen und anschließend einen kostenpflichtigen Test aus 80 Fragen bestehen. Mehr nicht. Einmal erworben, bleibt Ihnen das Zertifikat dann ein Leben lang sicher.

Gleichsam hilfreich für einen Product Ownerr sind Qualifizierungen in der Business Analyse und dem Requirements Engineering. Für ersteres können wir Ihnen die IQBBA® Certified Foundation Level Business Analyst, für letzteres das Certified Professional for Requirements Engineering Foundation Level Ausbildung empfehlen.

Fazit

„Good business leaders create a vision, articulate the vision, passionately own the vision, and relentlessly drive it to completion.“

– Jack Welch, US-amerikanischer Manager

Die Rolle des Product Owners ist auf dem Vormarsch. Was in kleinen Softwareentwicklungsteams in den 1990er Jahren begann, hält inzwischen auch in den Fachabteilungen Einzug. Als Product Owner arbeiten Sie an der Schnittstelle zwischen Bedarf und Realisierung. Sie erfüllen eine Brückenfunktion. Keine einfache Aufgabe – dafür aber spannend, abwechslungsreich und sinnstiftend.

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Dr. Christopher Schulz

Dr. Christopher Schulz

Business Analyst, Enterprise Architect & Projektmanager

c.schulz@palladio-consulting.de
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