Die Softwarelizenzen – die wichtigsten Konzepte für das Software Asset Management

von Business-IT-Alignment

Ist Open Source wirklich immer kostenlos? Was heißt das, wenn der Softwarelizenzvertrag eine Copyleft Klausel enthält? Wann liegt eine Unterlizenzierung vor? Vielleicht haben Sie sich im Rahmen eines Softwareauswahl-Projektes schon einmal mit dem Thema Softwarelizenzen auseinandergesetzt. Schnell fühlt man sich da wie im Dschungel. Ein Begriff ähnelt dem anderen, vor lauter Bäumen sieht man den Regenwald nicht.

Bringen wir Licht ins Dickicht des IT-Lizenzmanagements. Nachfolgend essentielle Kernkonzepte für Ihr Software Asset Management.


 

Die wichtigsten Kernkonzepte für das Management von Softwarelizenzen

Hinweis
Der Beitrag ist eine Einführung in das Thema Softwarelizenzen und dient als Orientierungshilfe. Er ist nicht als rechtliche Grundlage zu verstehen. Softwarelizenzen sind ein kompliziertes und vielschichtiges Thema. Im Zweifelsfall raten wir Ihnen den Softwarehersteller zu kontaktieren bzw. sich mit Ihrer Rechtsabteilung in Verbindung zu setzen.

BSA | Business Software Alliance (BSA)

1988 gegründeter internationaler Interessenverband von Softwareanbietern mit Sitz in Washington, D.C.. Das non-profit Unternehmen vertritt seine Mitglieder durch Lobbyarbeit in den Bereichen Urheberrecht und lizenzkonformen Handel mit Software.

Client Zugriffslizenz (Client Access License, CAL)

Berechtigung für einen Zugangspunkt (z.B. Notebook, Smartphone, Terminal) auf ein Server System zuzugreifen.

Closed Source Software (Proprietäre Software)

Software, die meist nur kostenpflichtig genutzt werden darf und deren Quellcode nicht öffentlich ist. Die Weiterverbreitung oder Modifikation sind typischerweise verboten und nur unter speziellen Bedingungen gestattet.

Copyleft

Klausel im Softwarelizenzvertrag, die den Lizenznehmer dazu verpflichten alle Anpassungen im Quellcode der Software öffentlich zu stellen. Starkes Copyleft erlaubt keinerlei Abweichung von dieser Regel, hingegen ist es mit schwachen Copyleft möglich, die eigene Software unter einer anderen Lizenz – beispielsweise Closed Source Software – zu veröffentlichen.

Donationware

Software, die kostenlos genutzt werden darf, deren Quellcode meist jedoch nicht öffentlich ist. Im Rahmen der Nutzung wird um eine Spende für die Urheber gebeten.

Downgrade Recht

Angabe im Lizenzvertrag, die dem Lizenznehmer erlaubt anstatt der aktuell lizenzierten Version auch eine frühere Version derselben Software zu nutzen.

Endbenutzer Lizenzvertrag (End User License Agreement, EULA)

Lizenzvertrag zwischen Lizenzgeber und Lizenznehmer. Der Vertrag regelt die Nutzungsrechte des Nutzers und wird oftmals zu Beginn der Installation der Software angezeigt. In Deutschland ist der Endbenutzer Lizenzvertrag für kommerzielle Software nur dann verbindlich, falls die Bedingungen bereits zum Kauf-/Mietbeginn bekannt waren.

Floating License (Netzwerklizenz)

Lizenz für die Nutzung einer kostenpflichtigen Software, die erlaubt, dass mehrere verschiedene Personen die Software einsetzen können. Lizenziert werden muss die maximale, gleichzeitige Nutzung der Software.

Freeware

Software, die kostenfrei genutzt werden darf und deren Quellcode meist nicht öffentlich ist.

Freie Software (Kostenfreie Software)

Software, die kostenfrei genutzt und weiterverbreitet werden darf und deren Quellcode ebenfalls verändert sowie die daraus resultierende Software weiterverbreitet werden darf.

Gebrauchte Software (Gebrauchtsoftware)

Kommerzielle Software und Datenteien (z.B. eBooks, Filme), bei der die zugehörige Lizenz von Lizenzgeber bereits an einem Lizenznehmer vergeben wurde und die meist beim Lizenznehmer bereits im Einsatz war. In der Regel ist gebrauchte Software günstiger als ‚neue‘. Lizenzverträge untersagen oftmals den Weiterverkauf.

GNU General Public License (GNU GPL oder GPL, allgemeine Veröffentlichungserlaubnis)

Verbeitrete Softwarelizenz, die einem Lizenznehmer erlaubt die Software zu nutzen, zu verbreiten sowie deren Quellcode zu ändern. Im Gegenzug ist der Lizenznehmer verpflichtet alle Quellcodeänderungen öffentlich zu stellen (starkes Copyleft). Seit 2007 liegt die Lizenz in der Version 3 vor.

Kommerzielle Software (Standardsoftware, kostenpflichtige Software)

Software, die kostenpflichtig auf Basis einer Lizenz genutzt werden darf und deren Quellcode in der Regel nicht öffentlich ist.

Kopierschutzstecker (Dongle)

Kleiner Hardware Adapter, der an einem Zugriffspunkt (meist PC oder Notebook) angebracht werden muss bevor die Software genutzt werden kann. Durch physische Notwendigkeit unterbindet ein Kopierschutzstecker die unerlaubte Vervielfältigung von Software.

Lizenzart

Angabe im Lizenzvertrag, der die Bereitstellung einer Software definiert. Übliche Bereitstellungsformen sind Einzel-Lizenz, Mehrfach-Lizenz (z.B. Volumenlizenz, Standortlizenz, Unternehmenslizenz) sowie (kommerzielle) Weiterverwendung der Software für eigene Softwareprodukte.

Lizenzgeber

Organisation, die einen Lizenzvertrag mit einem Lizennehmer abgeschloßen hat und damit die Erlaubnis für die Nutzung, evtl. auch Weiterverbreitung bzw. Anpassung einer Software erteilt. Meist handelt es sich um den Softwarehersteller.

Lizenzklasse

Angabe im Lizenzvertrag, der die vertraglichen Voraussetzungen für die Nutzung einer Software definiert. Übliche Lizenzklassen sind Vollversion, Upgrade, Update, Add-on, Client Access License oder Downgrade.

Lizenzmanager (Softwarelizenz-Manager)

Verantwortliche Person, die kaufmännischen, organisatorischen und rechtliche Verwaltungsprozesse für die legale und effiziente Nutzung von Softwarelizenzen etabliert, prüft und verbessert.

Lizenzmetrik

Angabe im Lizenzvertrag, der die Messung des Lizenzbedarfs definiert. Übliche Messvorschriften sind Anzahl der (benannten) Nutzer, Anzahl der Installationen oder Anzahl der Nutzungsvorgänge. Meist handelt es sich um den Softwarenutzer.

Lizenznehmer

Organisation, die einen Lizenzvertrag mit einem Lizenzgeber abgeschlossen hat und damit die Erlaubnis für die Nutzung, evtl. auch Weiterverbreitung bzw. Anpassung einer Software erhält.

Lizenztyp

Angabe im Lizenzvertrag, der der die Messgröße für den Lizenzbedarf definiert. Übliche Größen sind Geräte, Nutzer, Zeit oder Nutzungsvorgänge.

Lizenzvertrag

Abkommen zwischen Lizenzgeber und Lizenznehmer. Ein Lizenzvertrag wird bei kostenfreier Software durch die Nutzung, bei kostenpflichtiger Software durch den Miet-/Kaufvertrag abgeschlossen. Er regelt die Lizenzart, -klasse, -metrik und-typ, die Vergütung sowie mögliche Vertragsstrafen bei Lizenzbruch.

Open Source Software

Software, die meist kostenfrei genutzt und weiterverbreitet werden darf und deren Quellcode ebenfalls verändert sowie die daraus resultierende Software unter Einhaltung der ursprünglichen Lizenz weiterverbreitet werden darf.

Public Domain Software

Software, die kostenfrei genutzt und weiterverbreitet werden darf und deren Quellcode unter Umständen ebenfalls öffentlich ist. Der Softwarehersteller verzichtet auf sein Urheberrecht. In Deutschland kann Public Domain Software nicht entstehen, jedoch genutzt werden, da ein Verzicht auf das Urheberrecht nicht möglich ist.

Schatten-Software

Software, die beim Nutzer ohne das Wissen, die Zustimmung oder den Support der IT-Abteilung zur Anwendung kommt.

Selbstauskunft

Aufforderung eines Lizenzgebers an den Lizenznehmer über den tatsächlichen Nutzungsumfang seiner Software (z.B. Anzahl Nutzer, Dauer) Bericht abzulegen. Zum Einsatz kommen meist spezielle Vermessungs-Tools.

Shareware

Software, die kostenlos getestet und weiterverbreitet werden darf und deren Quellcode meist nicht öffentlich ist. Die Testphase ist entweder zeitlich oder funktionell begrenzt. Zur uneingeschränkten Nutzung Software ist der Erwerb einer kommerziellen Softwarelizenz nötig.

Software Auditierung (Software Audit, Auditierung)

Vollständige Inventarisierung jeder von einem Lizenzgeber installierten Software meist durch externe Prüfungsunternehmen. Zweck ist die Überprüfung der Einhaltung des Lizenzvertrages.

Softwarelizenz

Nutzungsrecht einer Software bzw. ihrem Quellcode. Grundlage ist ein Lizenzvertrag.

Softwarelizenzmanagement (Lizenzmanagement, Software Asset Management)

Aktivitäten und Ressourcen im Unternehmen, die den legalen, wirtschaftlichen und produktiven Umgang mit Software und Lizenzverträgen fortwährend absichern. Eine enge Zusammenarbeit besteht zur Beschaffung, der Rechtsabteilung und dem IT Service Management (insb. Client Management).

Software Patch (Software Update, Software Fix)

Korrektur einer Software oder deren Daten mit dem Ziel Fehler zu beheben, Sicherheitslücken zu schließen bzw. bislang nicht vorhandene Funktionen nachzurüsten. Der Softwarehersteller definiert die Unterscheidung zum Upgrade

Softwarezugriff

Art und Weise wie auf eine Software genutzt werden kann. Teilweise unterscheiden Lizenzverträge zwischen Zugriff durch einen menschlichen Nutzer sowie Zugriff durch ein technisches Nachbarsystem (auch Systemnutzer).

Sondersoftware

Closed oder Open Source Software, die ein Nutzer optional auf seinem Gerät installieren kann. Ein Software-Integrationszentrum hat die Software zuvor auf fachliche, technische und kommerzielle Kriterien geprüft und freigegeben.

Standardsoftware

Closed oder Open Source Software, die als Basisgrundumfang auf einem Gerät installiert ist. Ein Software-Integrationszentrum hat die Software zuvor auf fachliche, technische und kommerzielle Kriterien geprüft und freigegeben.

Überlizenzierung

Wirtschaftlich ineffizienter, aber legaler Zustand in welchem ein Lizenznehmer mehr Softwarelizenzen besitzt, als bei ihm tatsächlich Software im Einsatz sind.

Unterlizenzierung

Illegaler Zustand in welchem ein Lizenznehmer weniger Softwarelizenzen besitzt, als bei ihm tatsächlich Software im Einsatz ist.

Upgrade

Neue sowie substanzielle Verbesserungen von Funktionen und Eigenschaften einer Software. Der Softwarehersteller definiert die Abgrenzung zu einem Update.

Update

Kleine, schrittweise Korrekturen von fehlerhaften Funktionen und Eigenschaften einer Software. Der Softwarehersteller definiert die Abgrenzung zu einem Upgrade.

Volllizenz

Nutzungsrecht für eine Software. Beinhaltet in der Regel kein Recht für Updates.

Zusatzsoftware

Closed oder Open Source Software, die ein Nutzer anfordert und die daraufhin ein Software-Integrationszentrum auf fachliche, technische und kommerzielle Kriterien prüft und freigibt. Anschließend darf der Nutzer die Software auf seinem Gerät installieren.

Leseempfehlungen

Sie haben Fragen zum Management von Softwarelizenzen? Kontaktieren Sie uns!

Dr. Christopher Schulz

Dr. Christopher Schulz

Managing Partner

Dr. Christopher Schulz berät seit 2007 Kunden in der Automobil- und Bankenbranche an der Schnittstelle zwischen Business und IT.

Er studierte Informatik am KIT in Karlsruhe und an der INSA de Lyon. Seine Consulting Schwerpunkte liegen im Enterprise Architecture Management sowie der Business Analyse.

Neben Kundenprojekten gibt Christopher seine Expertise mittels Fachartikeln, Vorträgen und Trainings weiter. Christopher bloggt leidenschaftlich gerne. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Bitte akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung.

4 + 1 =