Das Nexus™ Framework – die wichtigsten Infos zum agilen Prozess- Rahmenwerk

von Business-IT-Alignment

Management Summary

  • Das Nexus™ Framework ist ein Ansatz die Produkt- und Softwareentwicklung nach Scrum auf bis zu 9 verteilte Teams zu skalieren.
  • Im Kern von Nexus™ steht das Nexus Integration Team. Dieses identifiziert und löst inhaltliche Abhängigkeiten zwischen den Entwicklungsteams und sorgt für die Integration zu einem Gesamtergebnis.
  • Das Rahmenwerk darf im kommerziellen Umfeld frei verwendet werden. Die offizielle Webseite bietet deutschsprachiges Material zum kostenfreien Download.

Was ist das Nexus™ Framework?

Das Nexus™ Framework ist ein Prozess-Rahmenwerk für 3 bis 9 nach Scrum arbeitenden Entwicklungsteams. Diese Teams erzeugen arbeitsteilig gemeinsam ein integriertes Produkt bzw. eine integrierte Software. Nexus™ möchte

  • Abhängigkeiten zwischen den parallel schaffenden Teams minimieren sowie
  • Integrationsprobleme von den Teilergebnissen reduzieren.

Analog zum Large Scale Scrum Framework stand Schlichtheit und Einfachheit für Nexus™ ganz weit oben im Lastenheft. Grundbausteine sind der agile Ansatz Scrum sowie das Manifest für Agile Softwareentwicklung inklusive der entsprechenden Prinzipien. Diese Basis ergänzt das Framework um zusätzliche Rollen, Ereignisse, Ergebnistypen und Regeln. Die Erweiterung wiederum erlaubt das parallele Wirken von bis zu 9 Scrum Teams an einem gemeinsamen Produkt.

‚Nexus‘ – zu Deutsch Neutrum – steht für „Eine Beziehung oder Verbindung zwischen Personen oder Dingen“. In diesem Geist soll das Nexus™ Framework für Transparenz, Orientierung und Koordination bei einer verteilten Entwicklung sorgen. Im Dezember 2019 liegt das Rahmenwerk in der Version 3.0 vor.

Wie ist das Nexus™ Framework aufgebaut?

Hauptunterschied des Nexus™ Framework zum agilen Entwicklungsansatz Scrum ist das Nexus Integration Team. Diese Einheit existiert zusätzlich zu den maximal neun parallel wirkenden Scrum Teams und setzt sich zusammen aus:

  • Product Owner: Gesamtverantwortlich für die Produktentwicklung und damit die Fertigstellung eines integrierten Teilelements während eines Sprints.
  • Scrum Master: Verantwortlich für das geteilte Verständnis und die korrekte Umsetzung des Nexus™ Frameworks.
  • Nexus Integration Teammitglieder: Verantwortlich für ein einheitliches Verständnis sowie den Einsatz der Praktiken und Werkzeuge in den Scrum Teams.

Das Nexus Integration Team coacht, koordiniert und stellt die korrekte Ausführung der parallelen Entwicklungsarbeiten nach Scrum sicher. Es ist verantwortlich für das Gesamt-Inkrement am Sprintende. Sowohl der Scrum Master als auch die Integration Teammitglieder dürfen in anderen Scrum Teams des Nexus arbeiten. Die (sich mit der Zeit ändernden) Aufgaben im Nexus Integration Team genießen jedoch Vorrang vor den ToDos in den einzelnen Entwicklungsteams.

Das Nexus™ Framework fordert ein gemeinsames Product Backlog für das Gesamtprodukt. Für die Sprints sieht das Rahmenwerk pro Entwicklungsteam ein eigenes Sprint Backlog vor und legt zudem die Nutzung eines zentralen Nexus Sprint Backlogs nah. Pro Sprint enthält diese gemeinsame Liste ausgewählte Product Backlog Einträge der Scrum Teams inklusive wechselseitiger Abhängigkeiten.

Wie lässt sich das Nexus™ Framework einsetzen?

Nexus™ fordert Informationen und Aufgaben zwischen den Scrum Entwicklungsteams entlang drei Ebenen geschickt und mit Vorausblick zu teilen:

  • Fachliches und technisches Wissen
  • Anforderungen und Randbedingungen
  • Software- und Testergebnistypen

Hauptintension ist die Minimierung von Abhängigkeiten zwischen (Teil-)Ergebnissen der nach Scrum arbeitenden Team. Zudem sieht das Framework vor, dass alle Beteiligten ihre Resultate in einer gemeinsamen Entwicklungsumgebung integrieren.

Nexus Framework

Struktur und Ablauf des Nexus™ Frameworks (Quelle: www.scrum.org/nexus)

Im Rahmen des Product Backlog Refinement verfeinert das Nexus Integration Team die Anforderungen, identifiziert und minimiert Dependenzen. Im sich anschließenden Nexus Sprint Planning überführt jedes Entwicklungsteam Procut Backlog Einträge in sein individuelles Sprint Backlog.

Zusätzlich zu dem aus Scrum bekannten Daily Scrum und dem Sprint Retrospective auf Teamebene empfiehlt Nexus einen Nexus Daily Scrum sowie eine Nexus Sprint Retrospective mit ausgewählten Repräsentanten der Teams. Eine Sichtung des Sprint Gesamtinkrements erfolgt Team-übergreifend im Nexus Sprint Review, das Review auf Einzelsprintebene entfällt.

Worin bestehen die Stärken & Schwächen des Nexus™ Frameworks?

Vorteile

  • Nexus™ ist eine Erweiterung von Scrum um wenige zusätzliche Meetings, Ergebnistypen und Regeln. Praktizieren Sie das agile Rahmenwerk auf Einzelteamebene bereits, sollte Ihnen ein Hochskalieren auf bis zu 9 Teams konzeptionell keine Kopfschmerzen bereiten.
  • Modelle, Vorgehen und Regeln sind sehr gut dokumentiert. So können Sie den 15-seitigen Nexus Guide neben Deutsch auch in 30 weiteren Sprache beziehen. Auch eine 34-minütige Videofassung ist verfügbar.

Nachteile

  • Das Nexus™ Framework ist auf maximal 9 Teams begrenzt. Sind für Ihr Produkt 100 und mehr Personen erforderlich, benötigen Sie eine Aufbau- & Ablauforganisation, die das Framework nicht bietet.
  • Das Rahmenwerk fokussiert auf das Integrationsteam sowie die Scrum-of-Scrums Abwicklung. Nexus™ lässt offen, auf welche Weise die agile Entwicklung mit dem Projektportfoliomanagement, IT Betrieb, Strategieprozessen etc. verzahnt werden.
  • Obwohl Nexus™ in der Einleitung seines Guides vorgibt ein Ansatz für Produkt- und Softwareentwicklung zu sein, liegt sein Hauptaugenmerk ganz klar auf Software.

Wer steht hinter dem Nexus™ Framework?

Wichtigster Schöpfer des Nexus™ Frameworks ist Ken Schwaber, gleichsam geistiger Vater von Scrum und Unterzeichner des Agile Manifesto in 2001. Der US-Amerikaner gründete in seiner langen Software Engineering Karriere die Agile Alliance und die Scrum Alliance, 2009 dann das Unternehmen Scrum.org. 2015 ging Nexus™ aus dieser Organisation hervor, das Framework wurde 2018 das letzte Mal überarbeitet.

Nexus™ können Sie kostenfrei einsetzen, englischsprachige Guides, Webinare, Blogbeiträge, ein Forum sowie andere erklärende Ressourcen finden Sie auf der offiziellen Webseite. Beachten Sie dabei: Wie beim Scrum Ur-Framework sind die Nexus™ Rollen, Artefakte, Events und Regeln unveränderlich. Falls Sie nur einen Teil des Frameworks einsetzen oder dieses anpassen, entspricht das Ergebnis nicht mehr Nexus™.

Analog Scaled Agile Inc. (SAFe) sowie der LeSS Company B.V. (LeSS) finanziert sich Scrum.org durch Trainings und Zertifizierungen. Innerhalb von zwei Tagen können Sie sich zum Scaled Professional Scrum™ (SPS) ausbilden und anschließend prüfen lassen. Ende 2019 haben dies weltweit knapp 2.500 Personen getan. Zum warm werden bietet Ihnen Scrum.org den freien Online Test Nexus Open dessen 15 zufällig zusammengestellten Fragen Sie in maximal 25 Minuten beantworten dürfen.

Fazit

Absolvieren Ihre Einzelteams bereits kleine Entwicklungsprojekte nach Scrum und wollen Sie das agile arbeitsteilige Vorgehen auf mittlere Vorhaben skalieren, dann empfehlen wir das Nexus™ Framework näher zu betrachten. Bei geringem konzeptuellen und administrativen Mehraufwand erlaubt Ihnen der Rahmen Scrum verteilt auf bis zu 9 Teams zu applizieren.

Ende 2019 bietet Nexus™ noch keine Strukturen für große agile Produktentwicklungen jenseits von 100 Teammitgliedern. Sowohl das LeSS Framework als auch das SAFe® Framework haben für diese Mammutvorhaben eindeutig die Nase vorn.

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Dr. Christopher Schulz

Dr. Christopher Schulz

Managing Partner

Dr. Christopher Schulz berät seit 2007 Kunden in der Automobil- und Bankenbranche an der Schnittstelle zwischen Business und IT.

Er studierte Informatik am KIT in Karlsruhe und an der INSA de Lyon. Seine Consulting Schwerpunkte liegen im Enterprise Architecture Management sowie der Business Analyse.

Neben Kundenprojekten gibt Christopher seine Expertise mittels Fachartikeln, Vorträgen und Trainings weiter. Christopher bloggt leidenschaftlich gerne. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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