Das SAFe® Rahmenwerk – die wichtigsten Infos zum Scaled Agile Framework®

von Business-IT-Alignment

Management Summary

  • Das Scaled Agile Framework® (kurz: SAFe®) ist ein Ansatz eine Organisation nach Prinzipien von Lean und Agile aufzustellen.
  • SAFe® 4.6 existiert in vier Konfigurationen: Essential, Portfolio, Large Solution und Full. Es lässt sich unternehmensübergreifend auf den Ebenen Team bis Portfolio einsetzen.
  • Das Rahmenwerk darf im kommerziellen Umfeld frei verwendet werden. Die offizielle Webseite bietet zahlreiches Informationsmaterial zum kostenfreien Download.

Was ist SAFe®?

Das Scaled Agile Framework®, auch bekannt unter dem Kürzel SAFe®, ist ein Rahmenwerk mit dem Sie Ihr Unternehmen auf Basis des Produktentwicklungsmodells Scrum agil aufstellen. SAFe® definiert sich als Betriebssystem für Geschäftsagilität. Es vereint dabei Konzepte aus den Feldern Agile, Design Thinking, Entwicklung & Betrieb (DevOps) sowie Lean Management. Das Rahmenwerk hebt diese Modelle und Methoden von der Team-, über die Projekt- auf die Unternehmensportfolioebene.

Betrachten Sie das Rahmenwerk als Expertisefundament für Organisations- und Arbeitsmuster. SAFe® koordiniert die Synchronisation, Zusammenarbeit und Lieferung von Ergebnissen einer großen Anzahl von nach Scrum arbeitenden agilen Teams.

Laut eigenen Aussagen fördert SAFe®…

  • das Engagement von Mitarbeitern,
  • die Produktivität der Wertschöpfung,
  • die Geschwindigkeit von Idee zur Veröffentlichung (Time-to-Market) sowie
  • die Qualität von Ergebnissen.

Auf der offiziellen englischsprachigen Webseite finden Sie alle Einzelheiten zum Scaled Agile Framework®. Nachfolgend geben wir Ihnen einen Überblick über zentrale Elemente des Rahmenwerks.

Wie ist SAFe® aufgebaut?

SAFe® liegt aktuell in Version 4.6 vor, für Anfang 2020 ist die Version 5.0 angekündigt. Beiden Fassungen liegen neun lean-agile Prinzipien zu Grunde, die die Rollen, Aktivitäten und (Zwischen-)Ergebnistypen des Ansatzes definieren:

  • Eine wirtschaftliche Perspektive einnehmen
  • Systemisches Denken anwenden
  • Variabilität annehmen; Optionen vorhalten
  • Inkrementell mit schnellen integrierten Lernzyklen entwickeln
  • Meilensteine auf die objektive Bewertung von funktionierenden Systemen basieren
  • Unfertige Ergebnisse visualisieren und limitieren, Losgrößen reduzieren sowie Warteschlangen managen
  • Einen kontinuierlichen Rhythmus anwenden, mit der übergreifenden Planung synchronisieren
  • Die intrinsische Motivation von Wissensarbeitern erschließen
  • Entscheidungen dezentral fällen

Zu jedem Prinzip finden Sie auf der SAFe® Webseite ausführliche Beschreibungen und Abbildungen. Als Kernwerte verschreibt sich das Framework das Abgleichen, die eingebaute Qualität, die Transparenz sowie die Programmumsetzung.

SAFe

Das Scaled Agile Framework® in seiner kompletten Ausbaustufe Full SAFe (Quelle: www.scaledagileframework.com)

Wie Sie in der Abbildung erkennen erstreckt sich die Version 4.6 des Scaled Agile Framework® auf drei Ebenen:

  • Teamebene: Das Fundament von SAFe®. Hier finden die synchronisierten operativen Design-, Entwicklungs-, Testarbeiten nach Scrum für jeden Geschäftsbereich statt.
  • Programmebene: Verknüpfung mehrerer Initiativen zu einem taktischen Gesamtvorhaben auf Basis einer Vision, Roadmap und einem Releasemanagement. Im Fokus steht die Erfüllung eines Geschäftsziels.
  • Portfolioebene: Ausrichtung der Programme an der Unternehmensstrategie und den Geschäftszielen.

Entwicklungsteams synchronisieren sich mittels dem Organisationskonzept des Agile Release Trains (ART). Dabei handelt es sich um ein langfristiges Team aus agilen Teams. Dieses fokussiert die Teams auf übergreifende Geschäftsziele und sorgt dafür, dass innerhalb fixen Iterationen von 8-12 Wochen (etwa 4 bis 5 Scrum Sprints) nutzenstiftende Programm-Inkremente (PI) ausgeliefert werden.

Anders als das Large Scale Scrum (LeSS) Framework, dass Entwicklungsteams entlang von kundenorientierten Features ausrichtet, erlaubt SAFe® ebenfalls eine Organisation gemäß Komponenten sowie einen gemischten Ansatz zwischen Feature- und Komponententeams.

SAFE® führt in Ergänzung zu Scrum weitere Rollen ein. Diese koordinieren die agile und schlanke Wertschöpfung im Unternehmen. Eine Auswahl:

  • Release Train Engineer: Sorgt auf Programm-Ebene für Risiko- und Abhängigkeitsmanagement sowie kontinuierliche Verbesserung der Abläufe.
  • Product Management: Definiert in enger Zusammenarbeit mit den Product Ownern das Ergebnis, die Vision und die Roadmap und ist verantwortlich für das Product Backlog.
  • System Architect: Legt die übergreifende Systemarchitektur fest (z.B. wichtige Systemelemente, Teilsysteme, Schnittstellen und nicht-funktionale Anforderungen).
  • Business Owner: Ist als Kern-Stakeholder für den Geschäftsmehrwert eines ART verantwortlich.

Wie lässt sich SAFe® einsetzen?

SAFe® lässt sich in vier Konfigurationen anwenden:

  • Essential SAFe: Basiskonfiguration für parallel arbeitende Scrum Teams.
  • Portfolio SAFe: Bildete die ursprüngliche Fassung von SAFe®. Zusätzlich zu Essential SAFe mit Strategie-, Investitions-, Governance- und Portfolio Management-Aufgaben.
  • Large Solution SAFe: In Ergänzung zu Portfolio SAFe für Unternehmen, die große und komplexe Lösungen entwickeln.
  • Full SAFe: Die umfassendste Ausbaustufe. Zusätzlich zu Large Solution SAFe für Organisationen, die große und integrierte Lösungen in Teams von mehreren hunderten Personen entwickeln.

Die Abbildung zeigt die SAFe® Implementation Roadmap. Startpunkt ist ein Wasserfall- bzw. agiler Ad-hoc Ansatz, Ziel ist die kontinuierliche Verbesserung von skalierten agilen Praktiken.

SAFe

Vorschlag für die Umsetzung von SAFe® 4.6 im Unternehmen (Quelle: www.scaledagileframework.com)

Doch Vorsicht! Das Scaled Agile Framework® ist keine Kochrezept-Lösung, die immer alle Zutaten benötigt und deren Schritte exakt ausgeführt werden müssen. Passen Sie das Rahmenwerk und seine Elemente an die Bedarfe Ihrer Organisation an.

Worin bestehen die Stärken & Schwächen von SAFe®?

Vorteile

  • Speziell mittleren und großen Organisationen bietet das Scaled Agile Framework® einen präskriptiven Ordnungsrahmen mit denen sie Bereiche agilisieren und miteinander in verzahnen lassen. Bereits die einheitliche Begriffswelt ist ein Gewinn.
  • Anders als Ansätze wie das Nexus™ Framework oder Scrum at Scale verbindet SAFe® die Arbeit der agilen Teams mit Geschäftszielen. Der Top-Down Ansatz verknüpft strategische und operative Ebene eines Unternehmens.
  • Das Scaled Agile Framework® ist exzellent dokumentiert. Neben aktuellen Videos, Präsentationen und Artikeln erhalten Sie zum Einstieg in die SAFe® Welt Whitepapers sowie ein Glossar.
  • SAFe® wird in der Praxis genutzt (siehe Fallstudien). Auch finden im Jahr 2020 allein in Deutschland über 260 Trainings statt bzw. ist ein Europäischer SAFe® Summit in den Niederlanden angesetzt.

Nachteile

  • SAFe® fokussiert auf das große Bild, dem Big Picture. Die Gefahr besteht, Entscheidungsmacht von den einzelnen wertschöpfenden Akteuren und Teams wieder zurück an den Planungs- und Verwaltungstisch zu verschieben. Dies möchten agile Ansätze eigentlich vermeiden.
  • Aufgrund seines großen Umfangs (Basiskonzepte, Rollenmodelle, Vorlagen, Prozessbeschreibungen etc.) benötigt die Einarbeitung in das Scaled Agile Framework® Zeit. Einfach und schnell starten, wie beispielsweise mit Scrum at Scale ist nicht möglich.
  • Bei intensivem Einsatz auf Large Solution und Portfolio Ebene werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit SAFe® Trainings bzw. Consulting Dienste in Anspruch nehmen müssen.

Wer steht hinter SAFe®?

Entwickler des Scaled Agile Frameworks® ist der US-Amerikaner Dean Leffingwell. 2007 publizierte Leffingwell das erste Buch zum Rahmenwerk und entwickelt seit dieser Zeit mit seinem Unternehmen der Scaled Agile, Inc. aus Boulder/Colorado SAFe® kontinuierlich weiter.

Sie dürfen die Konzepte von SAFe® für Ihr Unternehmen frei einsetzen, das Originalmaterial ist jedoch urheberrechtlich geschützt. Leffingwells Scaled Agile generiert Einnahmen durch (Re-)Zertifizierungen, Trainings und Übungsunterlagen. Ende 2019 können Sie sich in 13 SAFe® Disziplinen qualifizieren, angefangen beim SAFe for Architects, über den SAFe (Advanced) Scrum Master bis hin zum SAFe Release Train Engineer.

Laut Leffingwells Scaled Agile beschäftigen 70 Prozent der Fortune 100 US-Companies zertifizierte SAFe® Praktiker und Berater. Mit den Jahren hat Leffingwell ein Partnernetzwerk von über 140 Consulting- und Implementierungsorganisationen aufgebaut. Stand Ende 2019 haben weltweit über 250.000 Personen an einem SAFe® Training teilgenommen.

Fazit

Marketing, Forschung, Produktion, After-Sales – falls Sie planen Agile und Lean in mehreren Unternehmensbereichen einzuführen und anschließend zu skalieren dann empfiehlt sich ein Blick auf das Scaled Agile Framework®.

Anders als Scrum-Skalierungsansätze wie beispielsweise das Nexus™ Framework oder Scrum at Scale bietet der agile Ordnungsrahmen auch für die Programm- und Portfolioebene eines Unternehmens Integrations- und Koordinationskonzepte. Im Gegenzug müssen Sie sich auf viele zusätzliche Rollen, Ereignisse, Ergebnistypen und Regeln einlassen, die SAFe® mit sich bringt.

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Dr. Christopher Schulz

Dr. Christopher Schulz

Managing Partner

Dr. Christopher Schulz berät seit 2007 Kunden in der Automobil- und Bankenbranche an der Schnittstelle zwischen Business und IT.

Er studierte Informatik am KIT in Karlsruhe und an der INSA de Lyon. Seine Consulting Schwerpunkte liegen im Enterprise Architecture Management sowie der Business Analyse.

Neben Kundenprojekten gibt Christopher seine Expertise mittels Fachartikeln, Vorträgen und Trainings weiter. Christopher bloggt leidenschaftlich gerne. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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