RPA mit Blue Prism – die Skalierungsplattform für Robotic Process Automation

von Robotic Process Automation, RPA Tool Survey 2020

Zwei große Fußballclubs zählen das britische Manchester zu ihrer Heimat: Manchester City und Manchester United. Die Robotic Process Automation (RPA) Lösung von Blue Prism kommt aus Manchester. Nun raten Sie mal, welchen der beiden Clubs die Blue Prism Firmengründer die Treue schwören?

Robotic Process Automation mit Blue Prism

 

Genau! Die beiden Gründer Alastair Bathgate und David Moss sind beide Manchester City Fans, dem Fußballverein mit dem blauen Logo. Deshalb trägt ihr 2001 gegründetes Unternehmen auch ‚Blue‘ im Namen. Das ‚Prism‘ hingegen steht für die Vielfältigkeit eines Prismas.

Soviel zur Namensherkunft der Organisation. Widmen wir uns nun dem Produkt der Briten, der Blue Prism Robotic Process Automation (RPA) Plattform. 2003 wurde diese Prozessautomatisierungssoftware zum ersten Mal veröffentlicht. Zum Zeitpunkt der RPA Tool Survey 2020 trägt die Plattform die Versionsnummer 6.6. Unterjährig pflegt das börsennotierte Unternehmen ihre RPA Lösung auf Basis von Minor Updates, in regelmäßigen Abständen stehen große Versionssprünge an.

Technisch gliedert sich die RPA Plattform in vier Infrastrukturkomponenten:

Blue Prism Infrastruktur

Die vier Hauptkomponenten der Blue Prism Infrastruktur: Interactive Client, Runtime Resource, Application und Database Server (Quelle: Bildmaterial vom Hersteller erhalten)

  1. Interactive Client (Blue Prism Studio): Zur Entwicklung, Konfiguration und Überwachung der Roboter.
  2. Runtime Resource (Digital Workforce): Der Laufzeitumgebung für die Prozessautomatisierung (Roboter).
  3. Application Server: Zwischenschicht zwischen Client und Datenbank.
  4. Database Server: Zentrale Datenbank für Prozesse, Logfiles und Benutzerverwaltung.

Für das Frontend steht den Nutzern eine Windows Desktopanwendung zur Verfügung, mit der Sie Zugriff auf alle Bestandteile der Plattform haben. Gemeinsamer Speicherkern der 3-Schichten .Net Architektur ist eine Microsoft SQL Datenbank, auf die ein Microsoft Application Server bedarfsorientiert zugreift.

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Tobias Smuda, Managing Partner RPA bei palladio consulting

RPA Roboter im interaktiven Client „Blue Prism Studio“ entwickeln

Werfen wir einen näheren Blick auf den Client. In Blue Prism Studio entwickeln Sie die drei Basiselemente des Blue Prism Universums – Prozess (engl. Process), Geschäftsobjekt (engl. Business object) und Anwendungsmodell (engl. Application model). Gehen wir kurz auf jedes Element ein.

Prozess per Drag & Drop erstellen

Ein Prozess ist die grafische Darstellung eines funktionsfähigen Automatisierungsprogramms in Form eines Flussdiagramms. Per Drag & Drop erstellen Sie den zu automatisierenden Ablauf, ähnlich wie in gewohnten Prozessmodellierungstools. Das Schreiben von Softwarecode ist nicht notwendig. Bei Bedarf, betten Sie zudem C/C++/C#, Java, Python und Visual Basic Code ein und lassen diesen anschließend ausführen.

Blue Prism Prozess entwickeln

Automatisierungsprozesse in der grafischen Benutzeroberfläche des interaktiven Clients (Process Studio) entwickeln (Quelle: Bildmaterial vom Hersteller bereitgestellt)

Geschäftsobjekt und Anwendungsmodell mit dem Object Studio definieren

Das Geschäftsobjekt ermöglicht die Interaktion eines Prozesses mit Ihren Anwendungen, Dokumenten, Webservices bzw. Datenbanken. Als Interaktion sind grundlegende Aktionen (engl. Actions) wie z.B. öffnen, navigieren, lesen, schreiben und schließen zu verstehen. Sie erstellen und konfigurieren ein Geschäftsobjekt gleichsam über die grafische Benutzeroberfläche. Ein einmal erzeugtes Objekt dürfen Sie in mehreren Prozessen zum Einsatz bringen.

Damit ein entwickelter Prozess robusten Zugriff auf Ihre Business Anwendungen hat, sind die dazugehörigen Geschäftsobjekte mit einem Anwendungsmodell zu verknüpfen. Das Anwendungsmodell entspricht einer logischen Repräsentation Ihres realen Systems. Erneut nutzen Sie zur Erstellung des Anwendungsmodells die grafischen Benutzeroberfläche von Blue Prism in Kombination mit der Benutzeroberfläche Ihres zu automatisierenden Systems. Dadurch werden die Bedienelemente identifiziert und definiert, die Sie für die Prozessautomatisierung benötigen. Das Anwendungsmodell können Sie in beliebig vielen Prozessen wiederverwenden.

Blue Prism Geschäftsobjekt und Anwendungsmodell entwickeln

Geschäftsobjekt und Anwendungsmodell als logische Abbildung eines realen Systems in Object Studio entwickeln (Quelle: Bildmaterial vom Hersteller bereitgestellt)

Zentrales Steuern und überwachen der digital Workforce im Control Room

Die im Studio entwickelten Automatisierungsprogramme veröffentlichen Sie im Blue Prism Control Room. Von dort planen, starten und verwalten Sie die Prozesse zentral. Sobald Sie ein Programm manuell oder über eine Terminplanungsfunktion starten, führt Ihre Digital Workforce den entsprechenden Prozess dezentral in einer mit dem Control Room verbundenen Laufzeitumgebung aus. Die produktive Laufzeitumgebung können Sie abhängig von Ihren verfügbaren Lizenzen auf einem oder mehreren Computern und/oder virtuellen Maschinen installieren.

Blue Prism Control Room

Zentrales Steuern und Überwachen der Prozessautomatisierung im Control Room (Quelle: Bildmaterial vom Hersteller bereitgestellt)

Blue Prism Dashboard

Dashboard mit den wichtigsten Kennzahlen der Prozessautomatisierung (Quelle: Bildmaterial vom Hersteller bereitgestellt)

Mit Blue Prism die Bestandsapplikationen automatisieren

Blue Prism automatisiert ein breites Applikationsspektrum. Egal ob Sie Geschäftsprozesse in Java, .Net, SAP oder Webanwendungen automatisieren möchten oder sich den klassischen Microsoft Office Kandidaten wie Word, Excel und PowerPoint bedienen – die RPA-Plattform automatisiert sie alle.

Mitte 2019 kaufte Blue Prism den Intelligent Automation Softwarehersteller Thoughtonomy. Unter der Vision ‚RPA-as-a-Service‘ hatte Thoughtonomy bis zur Akquisition eine Tool- & Dienstleistungsumgebung um die RPA-Plattform errichtet. Wir gehen davon aus, dass die Softwarefunktionen und Services schrittweise in die Plattform ergänzt werden.

Zudem lässt sich die Automatisierungsplattform leicht erweitern. Der vom Hersteller betriebene App Store Digital Exchange hält über 300 qualitätsgesicherte Software Addons bereit. Diese erweitern die kognitiven Fähigkeiten Ihrer digital Workforce, z.B. mittels Klarschrifterkennung oder Mustererkennung. Durch Einsatz von Methoden aus der künstlichen Intelligenz können Sie somit auch Prozesse mit semistrukturierten Daten automatisieren.

Stärken von Blue Prism

  • Blue Prism lässt sich gut warten: Durch Wiederverwendung der Geschäftsobjekte und Applikationsmodelle sind Anpassungen an Ihren Business Applikationen keine Herausforderung für Ihren RPA Wartungsverantwortlichen. Dank logischer Trennung der Elemente müssen Sie nicht jeden Prozess einzeln, sondern nur das entsprechende Geschäftsobjekt bzw. Applikationsmodell adjustieren.
  • Blue Prism erfüllt wichtige Compliance- und Sicherheitsanforderungen: Die beiden Gründer kommen aus der Bankenbranche, wenig überraschend macht ihre Lösung keine Abstriche bei Sicherheit und Compliance. Jede ausgeführte Prozessautomatisierung wird zentral in der Datenbank geloggt und erlaubt die Auditierung. Zugangsdaten werden verschlüsselt übertragen und gespeichert.
  • Blue Prism erlaubt die grafische Entwicklung der Automatisierungsroboter: In Blue Prism Studio konfigurieren Sie Prozesse, Geschäftsobjekte und Applikationsmodelle per Drag-and-Drop. Ohne, dass dafür Programmierkenntnisse erforderlich sind.
  • Blue Prism skaliert im Einsatzumfang: Starten Sie mit einem Geschäftsprozess und einem Roboter und erweitern Sie schrittweise die digitale Unterstützung Ihres Unternehmens in Tiefe und Breite. Ist Ihr erster Digital Worker voll ausgelastet, ergänzen Sie diesen durch weitere Helfer. Auf Basis eines Warteschlangensystems verteilen Sie Prozesse bzw. einzelne Prozessschritte auf Ihre digitalen Mitarbeiter.
  • Blue Prism besitzt ein einfach nachvollziehbares Lizenzmodell: Abgerechnet wird pro produktiv tätigen digitalen Arbeiter – egal ob dieser einen einzigen Prozess ständig wiederholt oder in verschiedenen Tätigkeiten unterwegs ist.
  • Blue Prism ermöglicht ein flexibles Betriebsmodell: Hosting on premise, beim Hersteller oder Drittanbieter, in Deutschland, Europa und der Welt – alle Kombinationen sind laut Herstellerangaben möglich.
  • Blue Prism ist erprobt: Nach über 16 Jahren am Markt vertrauen mehr als 1.500 Enterprise Kunden der RPA Lösung des auf über 1.000 Mitarbeitern gewachsenen Unternehmens. Die Kundschaft kommt voranging aus der Finanz- und Telekommunikationsbranche.

Schwächen von Blue Prism

  • Blue Prism ist bisher nicht in deutscher Sprache verfügbar: Unterstützt werden die Sprachen Englisch, Japanisch und vereinfachtes Chinesisch. Dies gilt für die Software und die Dokumentation. Eine deutsch Variante befindet sich in Planung.
  • Blue Prism erlaubt beaufsichtigte (engl. attended) RPA mittels Partnersoftware: Fokus der Software ist die Skalierbarkeit und unbeaufsichtigte Automatisierung. Bei arbeitsteiligem Vorgehen zwischen Mensch und digitalem Arbeiter ist Zusatzsoftware, beispielsweise von Technologiepartner TrustPortal, erforderlich.
  • Blue Prism ist komplex: Prozess, Geschäftsobjekt und Applikationsmodell; Session Management, Queue Management und Schedules – was auf eine robuste und skalierbare Prozessautomatisierung einzahlt, erhöht gleichzeitig die Komplexität.
  • Blue Prism Frontend gibt es nur für Windows: Der Blue Prism Control Room ist aktuell nicht über einen Webbrowser oder eine mobile App nutzbar. Die Steuerung und Überwachung Ihrer digital Workforce erfolgt ausschließlich über die Windows Desktop-Anwendung.

Informieren Sie sich auch über die weiteren Tools und Hersteller der RPA Tool Survey 2020

Fazit

Der RPA-Plattform von Blue Prism sehen wir den hohen Reifegrad an. Nach über 16 Jahren Entwicklungszeit und großflächigen Kundeneinsatz ist die Software felderprobt und ein Veteran im RPA. Die Automatisierungsplattform fokussiert aktuell auf Skalierbarkeit eines Unattended RPA Ansatzes. Schrittweise erweitern die Briten ihre Lösung mit weiteren Funktionen und binden zudem Technologiepartner über den wachsenden App Store Digital Exchange ein.

Eine kostenfreie 30-Tage Testversion mit einem Digital Worker können Sie auf der offiziellen Webseite beziehen. Um die Software herunterzuladen, müssen Sie Ihr Unternehmen zuvor registrieren. RPA- und Tool-Wissen finden Sie im reichen Online Fundus. Dieser enthält Webinarmitschnitte, Blogeinträge, Whitepapers und Fallstudien sowie eine im Herbst 2019 eröffnete University.

 

Blue Prism ist eine eingetragene Marke von Blue Prism Limited.

Analyse & Text: Tobias Smuda und Dr. Christopher Schulz

 

Methode – Vorgehen und Informationsquellen

Grundlage unserer Tool-Untersuchung bildet ein strukturierter Analysebogen. Auf Basis von 60 Fragen aus 11 verschiedenen Kategorien evaluierten wir im persönlichen Dialog mit dem Tool-Hersteller die Fähigkeiten und Eigenschaften seiner Robotic Process Automation Software. Zudem sichteten wir weiteres verfügbares Begleitmaterial wie Softwaredokumentation und Tutorial Videos.

 

Neben generellen Werkzeug- und Betriebsaspekten wie Schnittstellen, Softwarearchitektur und Lizenzierung untersuchten wir spezifische Aufgaben und Bedarfe aus der Disziplin des Robotic Process Automation.

Sie stehen vor der Auswahl einer RPA Lösung? Wir unterstützen Sie effizient bei der Softwareauswahl.

Tobias Smuda

Tobias Smuda

Managing Partner

Tobias Smuda berät seit 2016 Kunden in der Automobil- und Maschinenbauindustrie.

Er studierte Maschinenbau und Management an der Technischen Universität in Wien und München. Seine Beratungsschwerpunkte liegen im Requirements Engineering, Enterprise Architecture Management und in Robotic Process Automation (RPA).

Er ist verheiratet und hat eine Tochter.

Beraterprofil Tobias Smuda

Dr. Christopher Schulz

Dr. Christopher Schulz

Managing Partner

Dr. Christopher Schulz berät seit 2007 Kunden in der Automobil- und Bankenbranche an der Schnittstelle zwischen Business und IT.

Er studierte Informatik am KIT in Karlsruhe und an der INSA de Lyon. Seine Consulting Schwerpunkte liegen im Enterprise Architecture Management sowie der Business Analyse.

Neben Kundenprojekten gibt Christopher seine Expertise mittels Fachartikeln, Vorträgen und Trainings weiter. Christopher bloggt leidenschaftlich gerne. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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