Citizen Development – die IT-Entwicklungskapazität im Unternehmen vervielfachen

Management Summary

  • Citizen Development ist die Entwicklung von IT-Lösungen durch den Fachbereich ohne die dafür sonst erforderlichen Software Engineering und Programmierkenntnisse.
  • Technischer Werkzeugkasten von Citizen Development sind Low-Code und No-Code Plattformen. Inzwischen ist diese einfach nutzbare Entwicklungssoftware sehr ausgereift und wird von namenhaften Softwareherstellern vorangetrieben.
  • Knackpunkt bei Etablierung von Citizen Development ist die Governance. Beteiligten muss klar sein, welche Art von IT-Lösung autonom durch Business, begleitet von der IT oder vollständig unter Leitung der IT entwickelt und betrieben wird.
  • Die Stärken von Citizen Development sind Geschwindigkeit gepaart mit Innovation. Dem gegenüber stehen das Risiko von Schatten-IT sowie ein wachsende Heterogenität im Applikationsportfolio.

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Was ist Citizen Development?

Bei Citizen Development übernimmt die Fachabteilung die Entwicklung und den Betrieb von einfach programmierbaren Softwareanwendungen. Nicht der ausgebildete und spezialisierte Informatiker, sondern der technisch versierte Fachabteilungsmitarbeiter – neudeutsch Citizen Developer (bzw. Creator oder Bürgerlicher Entwickler) – wird aktiv und übernimmt die Übersetzung seiner Business Anforderungen in schlüsselfertige IT-Lösungen.

Citizen Development befindet sich auf dem Vormarsch. In Zeiten knapp werdender IT-Personalkapazitäten (IT Supply) und wachsendem Digitalisierungsbedarf (Business Demand) stellt die Auslagerung von Entwicklungsaufgaben an das Business eine Möglichkeit der Entlastung dar.

2019 waren laut dem Marktforschungsinstitut Forrester 24 Prozent der Entwickler von Unternehmensanwendungen außerhalb der IT-Abteilungen angesiedelt. Die Kollegen von Gartner prognostizieren, dass bis 2023 die Zahl der Citizen Developer in Unternehmen mindestens viermal so groß sein wird wie die der professionellen Softwareentwickler.

In Folge wandern nicht nur das Innovations- und Anforderungsmanagement, sondern auch das Umsetzungs- und Betriebs-Knowhow technischer Lösungen weg von der zentralen IT in die dezentralen Fachabteilungen.

Citizen Development

Gegenüberstellung von IT-Lösungsentwicklung durch Business oder IT

„Citizen Development befeuert die Digitale Transformation Ihres Unternehmens. Innovative IT-gestützte Produkte und Services lassen sich in Windeseile aufbauen und austesten. Die Zeit zwischen Idee und Umsetzung reduziert sich auf ein Minimum. People, Platform, Process und Portfolio gemeinsam mit dem Mandat des Top-IT-Managements – die 5 Bausteine Ihres Erfolgs.“

Dr. Christopher Schulz

People

Cross-funktionale Teams mit befähigten und offenen Teilnehmern

Platform

Low/No-Code Softwareprodukt für eine agile Entwicklung

Process

Ende-zu-Ende Abläufe von der ersten Idee bis zum täglichen Betrieb

Portfolio

Budget für die Ausrichtung von Fachanforderungen auf IT-Lösungen 

Welche Werkzeuge nutzt ein Citizen Developer?

Basis der Fachbereichsentwicklung sind sogenannte Low-Code und No-Code (LCNC) Plattformen. Statt klassischer Programmsprachen, den sogenannten Pro-Code Systemen, bieten diese standardisierten Werkzeuge grafische Modelle, vordefinierte Widgets, visuelle Eingaben, wiederverwendbare Vorlagen und einfache Skriptsyntax mit denen die Citizen Developers ihre gewünschten Applikationsfunktionen schnell, kostengünstig und intuitiv in Eigenregie realisieren.

Kamen zunächst einfach Skript-Tools zum Einsatz, so decken moderne Cloud-basierte LCNC Plattformen heute den gesamten Lebenszyklus der Softwareentwicklung ab. Continuous Integration und Continuous Deployment werden ebenso unterstützt, wie Testing, Collaboration und Visualisierung. Der Zugang zu den Self-Service-Softwarewerkzeugen ist spielend einfach, die Methoden und Technologien umfassend dokumentiert.

Die Produktstrategie der Citizen Development Plattformhersteller ist klar. Je höher die Zahl der potentiellen Softwareentwickler und -nutzer in einem Unternehmen, desto größer auch die Menge der kostenpflichtigen Softwarelizenzen. Wenig verwunderlich tummeln sich inzwischen auch Branchengrößen wie Oracle mit Application Express (APEX), Microsoft mit der Power Platform sowie Google mit AppSheet im Markt. Daneben werkeln viele mittlere und kleine Anbieter wie Mendix oder smapOne, einige davon auch Open Source.

Forrester geht davon aus, dass der Markt für LCNC Plattformen bis einschließlich 2023 um 40 Prozent wachsen wird. Gartner prognostiziert, dass die Anwendungsentwicklung bis 2025 zu 70 Prozent mithilfe von No-Code und Low-Code-Tools erfolgt. So investiert insbesondere Microsoft massiv in diese Technologien und berichtete bereits 2021, dass weltweit über eine halbe Millionen Unternehmen Low-Code-Tools von Microsoft nutzen, darunter 97 Prozent der Fortune 500-Unternehmen

Seit wann gibt es Fachbereichsentwicklung?

Citizen Development ist kein neues Paradigma in den Unternehmen. Mit der Verbreitung von Personal Computern (PCs) und ihren Softwareprodukten in den 1980er Jahren begannen auch Fachabteilungen ihre eigenen kleinen IT-Anwendungen zu entwickeln und einzusetzen.

Herauszuheben ist Microsofts Excel inklusive seiner Skriptsprache Visual Basic for Applications (VBA). Speziell in den 1990er Jahren begannen die Geschäftsanwender IT-ferner Bereiche individuelle Softwarelösungen in VBA zu bauen und für ihre Geschäftsprozesse einzusetzen. Während der 2000er Jahren verlagerten die Fachabteilungen ihre Entwicklungsarbeiten dann auf Microsofts SharePoint. Bleiben wir beim Softwarehersteller aus Redmond, so vermarkt dieser heute seine Power Platform als Citizen Development Werkzeug.

Weitere Beispiele für frühe Citizen Development Initiativen ist das Visual Product Modeling System (VP/MS), eine Software für das Produktmanagement von Versicherungen. Kerngedanke war, die Fachabteilungen selbst das Regelwerk und die Berechnungslogik von Versicherungsprodukten implementieren zu lassen, statt beides umständlich in einem Pflichtenheft zu dokumentieren und auf die Umsetzung durch die IT-Abteilung zu warten.

Inzwischen haben sowohl Unternehmen als auch Softwarehersteller das Potential von Citizen Development erkannt. Neben standardisierten, exzellent dokumentierten und einfach bedienbaren LCNC Cloud-Plattformen stellen Hersteller durchdachte Trainingskonzepte sowie einen professionellen Support für die entwickelnden Fachbereiche bereit.

„Schulen Sie Ihre Citizen Developer. Jeder der Software baut, sollte die Grundlagen guten Software Engineerings & Operations können und die bereitgestellten Low/No-Code Lösungen einheitlich einsetzen. Im operativen Betrieb arbeiten Fachbereiche und IT eng zusammen. Falls sich ein Citizen-Werkzeug bewährt, kann diese später auf ein natives IT-System überführt werden.“

Dr. Christopher Schulz

Wie lässt sich Citizen Development etablieren?

Definieren und Kontrollieren Sie in einer Governance Instanz strategisch, welche fachlichen Anwendungsfälle durch Citizen Development aufgebaut und betrieben werden können. Das Project Management Institute (PMI) unterscheidet in seiner Citizen Developer™ Initiative zwischen drei Varianten der Umsetzung. Kriterien dabei sind die Technische Komplexität der IT-Lösung sowie das Realisierungsrisiko.

  1. Fast Track: Sind Risiko und Komplexität gering, arbeiten die Citizen Developer weitgehend eigenständig.
  2. Assisted: Stehen Risko und Komplexität auf Mittel, obliegt die Verantwortung den Citizen Developern. Die IT wird regelmäßig zur Unterstützung, zu Reviews und bei Entscheidungen mit technischen Implikationen einbezogen.
  3. IT Delivery: Liegen Risiko und Komplexität beide hoch, sind die Citizen Developer Teil eines von der IT geführten Projektes.

Stellen Sie zudem eine erprobte Entwicklungsplattform bereit. Dokumentieren Sie die aufgebauten Lösung mit Bezeichnung, Datenumgang, Verantwortlichkeit, Entwicklungsprozess und Betrieb in einer EAM Software.

Gewinnen Sie Citizen Developer in der Breite Ihrer Organisation, beispielsweise durch Low-/No-Code Roadshows. Erarbeiten Sie ein eignes Skill-Profil „Citizen Developer“ gemeinsam mit den Fachbereichen und bleiben Sie im kontinuierlichen Kontakt mit diesen. Machen Sie Citizen Development damit zur schlagkräftigen Ergänzung Ihrer IT-Abteilung.

Worin bestehen die Stärken & Schwächen von Citizen Development?

Vorteile

  • Citizen Development beschleunigt die (prototypische) Entwicklung neuer (innovativer) IT-Lösungen. Statt zunächst die Anforderungen der IT-Abteilung zu erklären und dann in langwierigen Abstimmungsschleifen zur Umsetzung zu bringen, helfen sich die Fachbereiche mit einer nutzerfreundlichen Baukastenlösung selbst. Bei der Verprobung des fachlichen Anwendungsfalls in Eigenregie entsteht unmittelbar Verständnis.
  • Ob Digitalisierung von Papierformularen, der Automatisierung von Arbeitsabläufen oder der wiederkehrenden Erstellung von Echtzeitreports – vorhandene Baukastenwerkzeuge sind sehr flexible in ihrem Einsatzbereich.
  • Der Ansatz entlastet die im Unternehmen zumeist knappen IT-Ressourcen. Die Softwareexperten können sich auf solche Aufgaben konzentrieren, die ihr über Jahre erworbenes technisches Spezialisten-Knowhow benötigen.
  • Die Entwicklung mittels Low-Code und No-Code Plattformen fördert die Zufriedenheit der Fachabteilungen. Nicht nur ist die entwickelte IT-Lösung früher verfügbar und ist passgenau auf die Business Bedarfe ausgerichtet, die Fachkollegen haben das Resultat gleichsam selbst auf die Beine gestellt.

Nachteile

  • Citizen Development kann zu Schatten-IT und technischen Schulden führen. Im Worst Case entstehen Insellösungen, die sich dem Konfigurationsmanagement der IT-Abteilung entziehen und weder Architekturprinzipien noch Corporate Designvorgaben genügen.
  • Der Entwicklungsansatz birgt Risiken für die IT-Sicherheit. Bei den rasch zusammengebaute Softwarelösung wurde weder eine Informationsschutzbedarfsfeststellung noch ein Penetration Testing unternommen.
  • Mittel bis langfristig kann Citizen Development zu Kostennachteilen führen. Die ‚zusammengebastelte‘ Softwarelösung wird nur von einzelnen Fachbereichsvertretern beherrscht, eine übergreifende Qualitätssicherung fehlt.

„Pilotieren Sie Citizen Development und die verfügbaren Entwicklungsplattformen in einem Business-IT-Projekt. Geeignet für einen Testballon sind Excel-getriebene Unterstützungsprozesse und neue fachliche Anwendungsgebiete. Nachdem sich die Low/No-Code Lösung nachweislich im Betrieb bewährt hat, skalieren Sie den Ansatz im Unternehmen.“

Dr. Christopher Schulz

Fazit

Ob Prozessautomatisierung oder smartes Produktangebot – Citizen Development demokratisiert die Entwicklung und Bereitstellung von IT-Lösungen und ergänzt sich prima mit der klassischen professionellen Softwareentwicklung. Statt händeringend neue IT-Experten (weltweit) zu suchen, ist der Do-It-Yourself Ansatz auf Basis von Low-Code und Now-Code Plattformen eine Möglichkeit in Ihrem Unternehmen die Digitalisierung voranzutreiben.

Grundlage des Erfolgs ist eine enge Zusammenarbeit von Business und IT. Die neu gewonnenen Citizen Developer sind keine Belastung, Konkurrenz oder Entzauberung der klassischen Software Professionals, sondern eine sinnvolle Erweiterung der Entwicklungskapazitäten.

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Dr. Christopher Schulz

Dr. Christopher Schulz

Business Analyst, Enterprise Architect & Projektmanager

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