Enterprise Architecture Management – im Pilotprojekt gezielt die EAM Fähigkeit aufbauen

Management Summary

  • Die Enterprise Architecture (EA) umfasst die Elemente einer Organisation, ihren Eigenschaften, Wechselwirkungen und Entwicklungen. In der Praxis umfasst eine EA oft die Geschäftsprozesse, IT-Systeme sowie Technologieplattformen.
  • Als Querschnittsdisziplin fokussiert das Enterprise Architecture Management (EAM) auf die bedarfsorientierte Erfassung, Planung, Steuerung und Kommunikation der EA auf verschiedenen Organisationsebenen, sowohl in der Linie als auch im Projekt.
  • Der Hauptzweck von EAM ist das Alignment von Business und IT. Fachseiten sollen optimal durch Informationstechnik unterstützt werden, die IT wiederum technologische Innovation an das Business bereitstellen.
  • Frameworks und Tools helfen ein EAM einzuführen sowie effizient in den Regelbetrieb und das Projektgeschäft zu integrieren.

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Was ist Enterprise Architecture Management?

Beim Enterprise Architecture Management (EAM, auch Enterprise-Architecture-Management mit Bindestrich) – zu Deutsch Unternehmensarchitekturmanagement – fokussieren Sie…

  • für eine privatwirtschaftliche oder öffentliche Organisation (‚Enterprise‘)
  • auf die realen und virtuellen Elemente (auch EA Objekte), ihren Eigenschaften, Wechselwirkungen und Entwicklungen (‚Architecture‘)
  • in der bedarfsorientierten Erfassung, Planung, Steuerung und Kommunikation (‚Management‘).

Beachten Sie, dass Theorie und Praxis die Fähigkeit EAM und den Betrachtungsgegenstand EA nicht stringent unterscheiden. Nach Professor Norbert Gronau vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Universität Potsdam ist die EA eine strukturierte und aufeinander abgestimmte Sammlung von Plänen für die Gestaltung der Prozess- und IT-Landschaft eines Unternehmens. Die Gartner Group wiederum definiert 2022 eine Enterprise Architecture als:

Enterprise architecture (EA) is a discipline for proactively and holistically leading enterprise responses to disruptive forces by identifying and analyzing the execution of change toward desired business vision and outcomes. EA delivers value by presenting business and IT leaders with signature-ready recommendations for adjusting policies and projects to achieve targeted business outcomes that capitalize on relevant business disruptions.“

Im EAM betrachten Sie als Enterprise Architect Ihr Unternehmen als System mit einer (impliziten) Architektur, der Enterprise Architecture (EA, dt. Unternehmensarchitektur). Sie können diese Architektur in Domänen gliedern und in diesen thematisch verwandte Elemente einordnen. Üblich sind Business Architecture, Application Architecture, Technical Architecture und Data Architecture.

Enterprise Architecture Management

EAM entwickelt die EA: Systematisch von der Ist-EA, über die Plan-EA zur Ziel-EA

Ebenfalls geläufig ist die Beschreibung von Teilen der Unternehmensarchitektur für diskrete Zeitpunkte. So erfassen Sie den aktuellen (Ist) Zustand, definieren den zukünftigen Zustand (Ziel) und leiten zwischenzeitliche (Plan) Zustände ab. Je Zeitpunkt befinden sich die Elemente Ihrer EA in einer anderen Lebenszyklusphase wie Einführung, Nutzung oder Ausphasung.

Business Architecture

z.B. Business Capabilities, Geschäftsprozesse, fachliche Services, Rollen, Standorte oder Ziele

Application Architecture

Technology Architecture

z.B. IT-Plattformen, Infrastrukturkomponenten, Netzwerkverbindungen oder Deployment Units

Data Architecture

z.B. Geschäftsobjekte, Informationsobjekte oder Datenobjekte

„Zur Verinnerlichung der EAM Systemdenkweise empfehlen wir den ISO/IEC/IEEE 42010 Systems and Software Engineering. Nach dem Standard umfasst die Architektur die Grundkonzepte und Eigenschaften eines Systems in seiner Umwelt und drückt sich durch dessen Elemente, Relationen und die Prinzipien seines Entwurfs und seiner Evolution aus. Gerne können Sie den Standard auch für das Herausbilden gemeinsamer Begriffe heranziehen.“

Dr. Christopher Schulz

Worin liegt der Nutzen von EAM?

Hauptzweck von EAM ist die Ausrichtung von Business und IT. Durch die Umsetzung und damit verbundene Entwicklung von Stakeholder-spezifischen EA Ergebnissen beantworten Sie Fragen wie:

  • Welche Geschäftsprozesse und Standorte sind vom Ausfall eines IT-System betroffen?
  • Mit welchen Geschäftsobjekten agieren die Organisationseinheiten in den unterschiedlichen Bereichen?
  • Wer ist für ein IT-System fachlich bzw. technisch in Entwicklung und Betrieb verantwortlich?
  • Welche Technologie-Plattformen werden eingeführt, ersetzt oder abgeschalten?

Oft erfolgt die Beantwortung dieser Fragen abteilungs- bzw. ebenenübergreifend, bindet sowohl fachliche, kaufmännische, technische und rechtlichen Wissensträger Ihres Unternehmens ein.

Im Detail übernimmt die Managementdisziplin für die Stakeholder aus der Unternehmensführung, den Fachbereichen und der IT mehrere Aufgaben:

  • Kommunikationsunterstützer, z.B. interdisziplinäre Dialoge zwischen Business und IT, verteilten Fachbereichen oder mehreren Organisationsebenen
  • Entscheidungsbeschleuniger, z.B. für Digitalisierungsprogramme, Standardisierungsprojekte oder IT-Investitionen
  • Risikoreduzierer, z.B. Lieferantenabhängigkeiten, Applikationsausfälle, Service-Instabilitäten oder Projektannahmen
  • Portfoliooptimierer, z.B. Projekte, Business Capabilities, Software-Systeme oder IT-Services
  • Compliancehelfer, z.B. IT-Sicherheitsgesetz, BaFin Rundschreiben oder Digital Services Act
  • Änderungsmanager, z.B. Prozessanpassungen, Datenmigrationen oder Releasewechsel
  • Komplexitätsbeherrscher, z.B. IT-Systemlandschaft, Datenarchitektur oder Wertschöpfungsnetzwerken

Geht es beim EAM zunächst um Transparenz („Was haben wir…?“), verschiebt sich der Nutzenfokus mit zunehmenden Reifegrad auf Performance („Wie können wir besser…?“) und Geschäftswert („Wieviel hat das Business von…?“).

„Ermitteln Sie den EA Informationsbedarf in laufenden und geplanten Projekten. Wo fehlt den Managern eine integrierte Sicht auf Fachprozesse und IT? Wo ist man sich bei der Auswahl einer neuen Software unsicher? Wo benötigt die Führung einen Gesamtblick auf die bereitgestellten IT Services? Mit EAM integrieren Sie und schauen fortwährend über den Tellerrand.“

Dr. Christopher Schulz

Wie lässt sich eine EAM Fähigkeit aufbauen?

Etablieren Sie eine EAM Fähigkeit (von Rahmenwerken wie TOGAF® auch Architecture Practice bzw. Architecture Capability genannt) auf Basis eines Pilotprojektes. In der Abbildung das Vorgehen in unseren EAM Einführungsprojekten.

Zu Beginn stehen die Stakeholder sowie deren EAM Ziele und EA Informationsbedarf. Aus diesen leiten Sie den Scope sowie konkrete EA Ergebnisse ab, welche die Aufgaben und Entscheidungen der EAM Stakeholder verbessern und damit auf die Ziele und Vision Ihres Unternehmensarchitekturmanagements einzahlen. Überführen Sie erforderliche Architekturinfos in ein EA Meta-Modell. Priorisieren Sie, beispielsweise auf Basis eines EAM Backlogs. Einfach & Morgen sind besser als Ausgefeilt & Irgendwann.

Hochwertige Unternehmensarchitekturdaten sind der Schlüssel für ein erfolgreiches EAM. Erheben und pflegen Sie nur solche Architekturinfos, welche die DM-NRW Kriterien erfüllen. Im Fokus steht eine übergreifend nutzbare und einheitliche Informationsbasis.

  • Dringlich: „Welche EA Infos sind bereits heute erforderlich?“
  • Minimal: „Welche EA Infos werden in 80% der Fälle benötigt?“
  • Nützlich: „Welche EA Infos stiften wiederkehrend Mehrwert?“
  • Realistisch: „Welche EA Infos lassen sich wiederkehrend pflegen?“
  • Wirtschaftlich: „Welche EA Infos erzeugen mehr Nutzen als Kosten?“

Nach der Einführung steht die Etablierung der EAM Governance. Dazu verankern Sie die Disziplin in den bestehenden Prozessen und Gremien Ihrer Organisation. Stimmen Sie Daten-Verantwortlichkeiten ab. Zeigen Sie den Nutzen von EAM auf, gerne anhand konkreter Erfolgsbeispiele. Lancieren Sie eine kleine Roadshow, schließlich dürfen Ihre Mitarbeiter ab sofort die EA Daten auf einem aktuellen Stand halten.

Anschließend folgt die kontinuierliche Verbesserung Ihrer EAM Fähigkeit immer entlang der sich wandelnden Bedarfe der Interessengruppen. Profitieren Sie vom Feedback aus den Projekt- und Linienorganisationen.

Enterprise Architecture Management

Aufbau der EAM Fähigkeit auf Basis eines vierstufigen Pilotprojektes

Gerne verwenden wir die Metapher von EAM als Spinne im Netz. So arbeitet ein gutes Unternehmensarchitekturmanagement eng mit dem IT-Strategiemanagement, Business Process Management, Projektportfoliomanagement sowie IT-Service Management zusammen.

„Gestalten Sie Ihr EAM lösungsorientiert. Das Architekturmanagement fungiert als Berater und Unterstützer, nicht als bürokratische Kontrollinstanz und Erbsenzähler. Oft ist weniger mehr. Sie wollen nicht den Ozean zum Kochen bringen, sondern mit individuell detaillierten EA Ergebnissen konkrete Fragen klären und Entscheidungen der Stakeholder vorantreiben.“

Dr. Christopher Schulz

Welche Rolle spielen Software-Tools beim EAM?

Am Markt erhalten Sie eine Fülle von Softwaretools für das Management Ihrer Unternehmensarchitektur. So listet die Gartner Group Mitte 2022 knapp 30 dedizierte EAM Werkzeuge auf. Nach unseren Erfahrungen ist diese Liste noch deutlich größer, rechnen Sie Spezialsoftware für die Modellierung, Visualisierung oder Datenerfassung ein.

Das Spektrum reicht von einfachen Office Plugins bis ausgefeilten EAM Programmfamilien. Tools entlasten und automatisieren Ihre Architekturarbeit. Nutzen Sie die Werkzeuge für die Pflege, Analyse, Visualisierung, Modellierung, Planung und Kommunikation Ihrer Unternehmensarchitektur.

Bezeichnend für die vergangenen 10 Jahren Tool-Entwicklung sind der Umstieg auf eine Cloud-Technologie, gravierende Verbesserungen in der Bedienoberfläche sowie der stetige Ausbau von Integrationsschnittstellen. Das Motto: EAM geht alle im Unternehmen an. Moderne Tools lassen sich auch von Architektur-Laien einfach nutzen, externe Datenquellen sind rasch importiert und EA Darstellungen wie eine Prozesslandkarte oder ein Schnittstellendiagramm generieren sich auf Knopfdruck.

Mit welchen Modellen lässt sich die Enterprise Architecture darstellen?

Für das EAM spielen Modelle eine wichtige Rolle, stellen diese ausgewählte Teile Ihrer Unternehmensarchitektur verkürzt, abstrakt und pragmatisch dar. Nachfolgend eine Zusammenstellung gebräuchlicher Modellierungssprachen mittels derer Sie EA Ergebnisse erstellen.

  • ArchiMate® von The Open Group ist für die visuelle Modellierung der gesamten Unternehmensarchitekturen entwickelt. Schwerpunkt liegt auf Produkte, Services, Komponenten, Funktionen, Schnittstellen, Knoten, Geräte und Software.
  • Mit der von August-Wilhelm Scheer entwickelten (erweiterten) Ereignisgesteuerten Prozessketten (eEPK) modellieren Sie Elemente der Business und Data Architecture. Funktionen, Geschäftsobjekte, Dokumente, Organisationseinheiten, Stellen, Rollen, Standorte und Personen gehören zum Sprachumfang.
  • Die Unified Modeling Language (UML) der Object Management Group unterstützt Sie bei der graphischen Repräsentation der Application und Data Architecture. Enthalten sind Klassen, Attribute, Komponenten, Pakete und Artefakte.
  • Bei der Business Process Model and Notation (BPMN) der Object Management Group stellen Sie Aktivitäten, Ereignisse, Gateways und Datenobjekte dar. Nutzen Sie Sprache für die Business Domäne Ihrer EA.

„Die beste EA Modelle sind solche, die von Ihren Zielgruppen rasch verstanden und häufig genutzt werden. Menschen können visuelle Darstellungen schneller erfassen und sich einfacher merken als langatmige Texte. Auch eine Freestyle Modellierung samt erklärender Bildlegende ist erlaubt.“

Dr. Christopher Schulz

Inwieweit sind Frameworks im Architekturmanagement nützlich?

Bei angemessenen Einsatz können EAM Frameworks wie ArchiMate, DoDAF,  FEAF, IAF, TOGAF® oder Zachman Ihre Arbeit an der Unternehmensarchitektur vereinfachen und beschleunigen. Die Rahmenwerke…

  • liefern einen einheitlichen Begriffsapparat,
  • inspirieren durch erprobte Ergebnistypen,
  • geben Orientierung beim Vorgehen und
  • schaffen einen Ordnungsrahmen für den Regelbetrieb.

Wie die EAM Software sind auch die EAM Frameworks (mehr oder weniger) hilfreiche Werkzeuge und kein Selbstzweck. Verwenden Sie die vorgeschlagenen Konzepte, Modelle und Methoden als Hilfsmittel eine EAM Fähigkeit im Unternehmen zu etablieren und kontinuierlich zu verbessern.

„Für den erfolgreichen Start von EAM benötigen Sie nicht sofort ein Software-Tool. Bei weniger als 50 Architekturelementen ist ein Standard-Office aus unserer Erfahrung völlig ausreichend. Die EA Daten und nicht die Darstellungen sind entscheidend.“

Dr. Christopher Schulz

Fazit

Enterprise Architecture Management hilft Ihnen und Ihrem Unternehmen bei der Ausrichtung von Business und IT. Neigte EAM in den 2000er Jahren noch zu aufwendigen Dokumentation- und Abstimmungsprozessen auf Basis von Vorgaben von praxisfremden Architekten im Elfenbeinturm, so übernimmt die Managementdisziplin inzwischen eine beratende, unterstützende, integrierende und lösungsorientierte Rolle.

Mit einem Pilotprojekt initiiert, zeitigt Ihr EAM mit angemessenen Ergebnissen bereits nach wenigen Wochen einen Mehrwert für die Stakeholder aus Projekt und Linie. Etablieren Sie nach ersten Erfolgen anschließend eine architektonische Denkweise in Ihrem Unternehmen.

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Dr. Christopher Schulz

Dr. Christopher Schulz

Business Analyst, Enterprise Architect & Projektmanager

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