TOGAF 9.2 kompakt – The Open Group Architecture Framework auf den Punkt gebracht

TOGAF Management Summary

  • TOGAF (The Open Group Architecture Framwork) ist ein bekanntes Rahmenwerk für die Entwicklung und das Management von Unternehmensarchitekturen.
  • Das Enterprise Architecture Management Framework hilft Unternehmen bei der Ausrichtung von Business und IT durch erprobte Modelle, Methoden und Konzepte.
  • Herzstück von TOGAF ist die Architecture Development Method, ein 9-Phasen Vorgehensmodell zur Umsetzung von bereichsübergreifenden Änderungsbedarfen.
  • Für den Einsatz muss das Framework auf die Bedarfe, Ziele und Randbedingungen einer Organisation angepasst werden.

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Was ist The Open Group Architecture Framework (TOGAF)?

Mit dem The Open Group Architecture Framework (TOGAF) planen, entwickeln, implementieren, steuern und erhalten Sie Unternehmensarchitekturen, englisch Enterprise Architectures. Unter einer Unternehmensarchitektur ist das Zusammenspiel zwischen Business, IT-Systemen, Daten und Technologien zu verstehen. Konkret unterstützt Sie das Rahmenwerk der Open Group bei…

 

U

Identifikation von Verbesserungspotential

i

Definition von bereichsübergreifenden Veränderungsbedarfen

Zielgerichtete Umsetzung von Veränderungen

TOGAF geht zurück auf 1995. In diesem Jahr veröffentlichte die Open Group das Rahmenwerk in der Version 1. Grundlage der Initialfassung bildete das Technical Architecture Framework for Information Management (TAFIM) des Department of Defense der USA. Seitdem entwickeln die Mitglieder des Open Group Architecture Forums das Framework stetig weiter, zuletzt fand 2018 eine Aktualisierung auf Version 9.2 statt.

Sie dürfen TOGAF frei für Ihre Architekturarbeit im Unternehmen einsetzen. Nach Anlage eines Benutzerkontos auf der Homepage der Open Group steht Ihnen der Standard als HTML Version bereit. Generisches, industriespezifisches und organisationsspezifisches Begleitmaterial wie Leitfäden, Whitepapers und Referenzmodelle sind ebenfalls kostenfrei in der TOGAF Library verfügbar.

Worin liegt der Nutzen des Rahmenwerks für Unternehmensarchitektur?

Wo liegen nun die konkreten Pluspunkte des Rahmenwerks? Aus unserer Sicht liefert Ihnen TOGAF…

  • …einen konsistenten Begriffsapparat, der die Kommunikation von Business und IT vereinfacht.
  • Orientierung und Sicherheit bei der Entwicklung einer Unternehmensarchitektur mit Hilfe von praxiserprobten Konzepten.
  • beschleunigte Architekturarbeit auf Basis anpassbarer Prozesse, Artefakte und Ergebnisse sowie der in der TOGAF Library vorhandenen Ressourcen.
  • ….eine hohe Bekanntheit und Verbreitung in der Disziplin Enterprise Architecture Management.
  • Reduktion von Änderungsrisiken bei neuen Investitionen sowohl auf Fach- als auch IT-Seite.

The Open Group: TOGAF® Standard, Version 9.2 (49min)

Welche Elemente beinhaltet TOGAF 9.2?

TOGAF ist umfassend und detailreich. Nachfolgend erhalten Sie einen Überblick über die zentralen Bestandteile von TOGAF. Werfen Sie für weitere Einzelheiten einfach einen Blick in den Standard: 

Architecture Capability Framework

Das Architecture Capability Framework ist ein Konzept aus Aufbau- und Ablaufstrukturen, welches Sie bei der Ausbildung von Architekturkompetenzen unterstützt

Architecture Developmend Method (ADM)

Das Herzstück von TOGAF ist ein wiederholbarer iterativer Prozess mit dem Sie von der Ist-Architektur (Baseline Architecture) zur Ziel-Architektur (Target Architecture) gelangen. Neben der Definition von Ist und Ziel erhalten Sie Konzepte für die Projektplanung, die Implementierung sowie dem Change Management.

Content Framework

Das Content Framework ist eine Ordnungsstruktur für die mit der ADM entwickelten Artefakte (Artifacts), Ergebnisse (Deliverables) und Bausteine (Building Blocks). Sie stellen mit dem Konzept sicher, dass die Ihre Architekturerzeugnisse konsistent sind und übergreifend zusammenpassen.

  • Content Metamodell: Definiert die Architekturbausteine und ihr Zusammenspiel
  • Artefakte: Listen (z.B. Function Katalog), Matrizen (z.B. Stakeholder Map Matrix) und Diagrammen (Business Capability Map), die ein System oder eine Lösung beschreiben
  • Ergebnisse: Ergebnistypen der Architekturarbeit (z.B. die Architecture Vision, Architecture Requirements Specification, Architecture Definition Document) und Träger der Artefakte
  • Building Blocks: Miteinander kombinierbare Komponenten von Unternehmensfähigkeiten die Architekturen (z.B. Textverarbeitung) und Lösungen (z.B. MS Word) bereitstellen 

Enterprise Continuum

Das Enterprise Continuum ist Modell mit dem Sie ihre unternehmensintern konzipierten (z.B. Modelle, Patterns, Viewpoints) sowie extern verfügbaren Architektur- und Lösungsartefakte (z.B. industriespezifische Referenzarchitekturen) klassifizieren.

Das Continuum beschreibt, wie Sie Architekturen von groben Foundation Architectures zu organisations-spezifischen Architekturen weiterentwickeln. Kerngedanken ist die Wiederverwendung von generalisierte Architekturen als Ausgangsbasis und die sich anschließende schrittweise Adaption zur eigenen organisations-spezifischen Architektur.

Als Ablageort für die (Zwischen-)Ergebnisse Ihrer Architekturarbeit fungiert das Architecture Repository

Wie funktioniert die TOGAF Architecture Development Method (ADM)?

Zentrales Element von TOGAF ist die Architecture Development Methode (ADM), ein aus 9 Phasen bestehender zyklisch zu durchlaufender Prozess zur Architekturentwicklung und Umsetzung. Im TOGAF Standard erhalten Sie eine umfassende Beschreibung der Aktivitäten und Ergebnisse. Nachfolgend eine Kurzübersicht. Ausgangspunkt für einen Durchlauf des Zykluses ist der Request for Architecture Work, also der offizielle Bedarf nach Architekturarbeit.

 

TOGAF ADM Development Method

 

  • Phase A – Architecture Vision: In der Visionsphase fixieren Sie den Scope für den Durchlauf der Architekturentwicklung und holen sich das Mandat vom Management ein. Zudem skizzieren sie eine Architekturvision und bemessen deren Geschäftswert.
  • Phase B – Business/C – Information Systems/ D – Technology Architecture: Während der Entwicklungs- und Konzeptionsphasen beschreiben Sie den Ist-Stand für Business, Data, Application und Technology Architektur, definieren die Ziel-Architektur und arbeiten die Änderungsbedarfe heraus.
  • Phase E – Opportunities & Solutions & F – Migration Planning: Nach Konsolidierung der bisherigen Ergebnisse wählen Sie passende Lösungen auf Basis ihres Business Cases aus. Zudem entwerfen Sie eine Roadmap und ein Migrationsplan von der Ist-Architektur zur Soll-Architektur inklusive benötigter Projekte und Arbeitspakete.
  • Phase G – Implementation Governance: Während der Umsetzung der definierten Ziel-Architektur übernehmen Sie eine steuernde Rolle. Über sogenannte Architecture Compliance Reviews stellen Sie sicher, dass die Projekte die (Zwischen-)Ergebnisse frist-, leistungs- und budgetgerecht liefern. Zudem bringen Sie Ihr Architekturwissen und -kompetenzen ein.
  • Phase H – Architecture Change Management: Sorgen Sie in der finalen Phasen dafür, dass der versprochene Geschäftswert durch Nutzung der neuen Architektur tatsächlich realisiert wird. Sie managen zudem die einhergehenden Risiken und nehmen neue bzw. geänderte Anforderungen entgegen. Diese bilden die Grundlage für einen neuen Architekturzyklus.

In einer vorgelagerten Preliminary Phase der ADM bauen Sie eine Architekturfähigkeit auf. Zudem sichern Sie in einer zentralen Phase Requirement Management den Umgang mit Anforderungen ab. Innerhalb der ADM dürfen Sie einzelne und mehrere Phasen iterative wiederholen. Auch ein Springen zwischen Phasen ist möglich.

 

Was sind Kritikpunkte an TOGAF?

    1. TOGAF ist vollgepackt mit Fachbegriffen? Architecture Repository, Architecture Content Framework, Architecture Capability, Architecture Compliance, Architecture Governance. Das Framework ist sehr umfangreich, es enthält viele Konzepte und Methoden. Im Begriffsdschungel von TOGAF kann man sich leicht verirren. Architekturarbeit muss einfach kommuniziert werden können, auch gegenüber fachfremden Stakeholdern. Trostpflaster: Der Standard definiert alle Begriffe.

 

    1. Requirements Engineering ist unterrepräsentiert? Der TOGAF Standard sieht Requirements Management wie wir als zentrales Element der Architekturarbeit. Für die prominente Positionierung dieser Phase im Mittelpunkt der Architecture Development Method bietet der TOGAF Standards allerdings wenig Inhalt.

 

    1. TOGAF muss organisationsspezifisch angepasst werden? TOGAF ist überladen und muss an die Organisation individuell angepasst werden. Wir empfehlen nur Bruchteile das Frameworks zu übernehmen, um leichtgewichtige, effizient und effektive Architekturarbeit zu ermöglichen. Zur Verteidigung: TOGAF ist als generisches Framework explizit dafür ausgelegt, erwähnt dies wiederkehrend im Standard und ermutigt zum Customizing.

 

  1. Fehlende Vorgaben zur Anwendung? Rollen, Verantwortlichkeiten, Meetingstrukturen und Regeln gibt der TOGAF Standard nur teilweise vor. Das schafft zwar Flexibilität und Anpassbarkeit, aber erschwert die Adaption und praktische Anwendung. Im Vergleich bieten Scrum-Frameworks ein klareres Regelwerk, an das sich agile Teams orientieren und meist halten.

Welche TOGAF Zertifizierungen existieren?

Falls Sie planen sich für das Architekturrahmenwerk zertifizieren zu lassen, so bietet Ihnen The Open Group Anfang 2021 einen zweistufigen Entwicklungsplan an.

  • TOGAF Foundation (Part 1) fordert Ihr grundlegendes TOGAF Verständnis. In der Abschlussprüfung beantworten Sie 40 Multiple-Choice Fragen. Hilfsmittel sind nicht erlaubt.
  • TOGAF Certified (Part 2) prüft Sie in 8 Szenarien bzgl. Anwendung von TOGAF erneut per Multiple-Choice Verfahren. Nun dürfen Sie den Standard als Nachschlagewerk verwenden.

Sie können die Prüfungen einzeln ablegen oder sich in einem kombinierten Examen an beiden direkt hintereinander versuchen. Als Prüfungsort bietet Ihnen der Testanbieter PearsonVue entweder einen physischen Standort oder ein überwachtes Online-Examen.

Zum TOGAF Wissensaufbau sowie den (empfehlenswerten) Prüfungsvorbereitungen haben Sie drei Möglichkeiten:

  • Online Trainings im Virtual Classroom mit einem Referenten bzw. als E-Learning
  • Offline-Trainings durch zertifizierte TOGAF Trainingsanbieter
  • Selbststudium mittels des kostenpflichtigen Self-Study Pack direkt von der Open Group

Wir haben uns den Stoff per Offline-Training sowie im Selbststudium angeeignet, absolvierten die Prüfungen sowohl sequentiell als auch kombiniert. Beide Vorgehensweisen führten zum Ziel.

Fazit

Mit TOGAF erhalten Sie ein umfassendes Vorgehensmodell zur Architekturentwicklung inklusive der dazugehörigen Ergebnistypen. Zudem zeigt Ihnen das Rahmenwerk, welche Fähigkeiten Ihre Organisation für effektive Architekturarbeit benötigt und wie Sie diese hausintern aufbauen können.

Es liegt in Ihrer Hand, das Framework zu adaptieren und für die Ausrichtung von Business und IT anzuwenden. Gerne unterstützen wir Sie in den Aktivitäten des Tailorings.

 

TOGAF® ist eine eingetragene Marke von The Open Group®

Analyse & Text: Tobias Smuda und Dr. Christopher Schulz

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Leseempfehlungen

  • The Open Group Standard: The TOGAF® Standard, Version 9.2 (ISBN: 1-947754-11-9), 2018
  • Kotusev, S.: The Practice of Enterprise Architecture: A Modern Approach to Business and IT Alignment, SK Publishing, 2018

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Tobias Smuda

Tobias Smuda

Business Analyst, Enterprise Architect & Projektmanager

t.smuda@palladio-consulting.de
+49 (0)173 965 916 9

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