TOGAF® Standard (10th Edition) – das Enterprise Architecture Framework im Überblick
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TOGAF im Überblick
- Der TOGAF Standard, 10th Edition ist ein Ansatz zur Entwicklung & dem Management von Enterprise Architectures (dt. Unternehmensarchitekturen).
- Das Enterprise Architecture (EA) Framework hilft mittels Methoden, Modellen und Techniken bei der Gestaltung des Wandels von Organisationen sowie der Ausrichtung von Business & IT.
- Herzstück des TOGAF Rahmenwerks ist die Architecture Development Method (kurz: TOGAF ADM), eine 10-phasige Architekturentwicklungsmethode zum planen, entwickeln, implementieren, steuern, ändern und pflegen von Unternehmensarchitekturen.
- Das Architecture Forum des globale Konsortium The Open Group ist verantwortlich für die Bereitstellung und Weiterentwicklung des branchenneutralen Standards für Enterprise Architecture Management.
- Das TOGAF Framework sollte auf die Ziele, Anforderungen und Rahmenbedingungen einer Organisation angepasst werden.
- Wichtigste Änderungen vom TOGAF Standard (10th Edition) zur Vorgängerversion TOGAF 9.2 ist die modulare Struktur. Der Standard gliedert sich in den Fundamental Content und mehreren Series Guides. Zudem führt The Open Group neue Konzepte wie das Service Delivery Model, Architecture Trade-Offs sowie Digitalisierungskontexte ein.
In diesem Beitrag stellen wir Ihnen wesentliche Elemente vom TOGAF Standard vor.
- Möchten Sie sich für den TOGAF Standard schulen lassen, dann finden Sie im palladio Impuls TOGAF Schulung einen Überblick über die Kursformate und Schulungsanbieter.
- TOGAF Zertifizierung zeigt Ihnen das aktuelle TOGAF Certification Portfolio.
- Auf TOGAF Training finden Sie unser Schulungsangebot rund um den TOGAF Standard.
- Bei der TOGAF Prüfungsvorbereitung unterstützt Sie der Beitrag TOGAF Prüfung mit Musteraufgaben, Examenstipps und Buchungsempfehlungen.
Was ist der TOGAF Standard?
Der TOGAF Standard (10th Edition) ist ein Best-Practice Framework für Enterprise Architecture. Mit dem TOGAF Standard planen, entwickeln, implementieren, steuern und nutzen Sie Unternehmensarchitekturen, englisch Enterprise Architectures (EA)s. Diese unterstützen Sie bei der systematischen Weiterentwicklung Ihrer Organisation
- vom Ist-Zustand (Ist-Architektur oder Baseline Architecture),
- über Zwischen-Zustände (Transitions-Architekturen oder Transition Architectures)
- bis hin zum Ziel-Zustand (Ziel-Architektur oder Target Architecture).
Der TOGAF Standard entstand Ende 1995. Grundlage der Initialfassung bildete das Technical Architecture Framework for Information Management (TAFIM) des US Department of Defense (DoD) der USA. Seitdem entwickeln die über 200 Mitgliedsorganisationen des The Open Group Architecture Forums das EA Framework stetig weiter. Der TOGAF Standard (10th Edition) erschien im Herbst 2022 und bezeichnet sich selbst als grundlegendes, offenes und von der Industrie getragenes Best-Practice Rahmenwerk für Enterprise Architecture (Management).
Anders als bis einschließlich der Vorgängerfassung, nutzt The Open Group die aus zwei Worten bestehende Bezeichnung „TOGAF Standard“ und hängt optional die Versionsnummer an. Zudem wird das Akronym „TOGAF“ nicht mehr mit „The Open Group Architecture Framework“ übersetzt. Im Sprachgebrauch werden häufig auch die Alternativbegriffe „TOGAF Framework“ oder „TOGAF Approach“ bzw. ihre deutschsprachigen Pendants „TOGAF Rahmenwerk“ oder „TOGAF Ansatz“ genutzt.
Tieturi Oy: TOGAF 10 explained in two minutes (2min)
Was ist eine Enterprise Architecture?
Der TOGAF Standard definiert die beiden Begriffe „Enterprise“ und „Architecture“ separat.
Definition Enterprise:
Die höchste (typischerweise) Beschreibungsebene einer Organisation, die in der Regel alle Aufgaben und Funktionen umfasst. Ein Unternehmen umfasst oft mehrere Organisationen.
Ein Enterprise ist also eine Menge von Organisationen mit gemeinsamen Zielen (z.B. ein Startup, ein ganzer Konzernverbund, ein Ministerium).
Bei der Definition von „Architecture“ erweitert der TOGAF Standard die Definition des ISO/IEC/IEEE 42010:2022 Standards.
Definition Architecture:
- Die grundlegenden Konzepte oder Eigenschaften einer Entität in ihrer Umgebung und die Leitprinzipien für die Realisierung und Entwicklung dieser Entität und der damit verbundenen Lebenszyklusprozesse (Quelle: ISO/IEC/IEEE 42010:2022).
- Die Struktur der Komponenten, ihre Wechselbeziehungen sowie die Prinzipien und Richtlinien, die das Design und die Evolution (der Komponenten und Wechselbeziehungen) steuern.
Einfacher ausgedrückt beschreibt eine Architektur, wie die einzelnen Bausteine eines Systems (eines Unternehmens bzw. einer Menge an Organisation mit gemeinsamen Zielen) aufgebaut sind, wie sie zusammenarbeiten und nach welchen Regeln sie entworfen und weiterentwickelt werden.
Architektur ist also ein generelles Konzept oder Eigenschaften eines Systems (z.B. Enterprise) in seiner Umgebung realisiert durch seine Elemente (z.B. Geschäftsprozesse, IT-Systeme), Beziehungen (z.B. System X unterstützt Prozess Y) sowie die Prinzipien von Design und Entwicklung (z.B. Fokus auf Künstliche Intelligenz, Wechsel auf Cloud Computing).
Da das Enterprise Architecture Framework den Gesamtbegriff ‚Enterprise Architecture‘ nicht definiert, übernehmen wir das mit einem pragmatischen Ansatz.
Enterprise Architecture beschreibt, wie eine Organisation aufgebaut ist – also ihre Geschäftsprozesse, IT-Systeme, Daten und Technologien – und wie diese Teile sinnvoll zusammenwirken, um die Ziele des Unternehmens zu unterstützen.
Was kostet der TOGAF Standard?
Sie dürfen den TOGAF Standard für Ihre interne Architekturarbeit frei einsetzen. Für die kommerzielle Nutzung ist eine kostenpflichtige Commercial License erforderlich. Nach Anlage eines Benutzerkontos auf der Webseite von The Open Group können Sie sich den TOGAF Standard als PDF-Dokument über die TOGAF Library downloaden. Zudem gibt es eine Digitale Edition des TOGAF Standards. Wir empfehlen diese HTML-Fassung, die Sie bequem per Webbrowser einsehen, navigieren und durchsuchen können.
Was umfasst der TOGAF Standard?
Der TOGAF Standard (10th Edition) unterscheidet zwischen dem TOGAF Fundamental Content und den TOGAF Series Guides:
- Der TOGAF Fundamental Content besteht aus sechs unabhängigen modularen Kerndokumenten mit universell nutzbaren Basiskonzepten, der 10-phasigen TOGAF Architecture Development Method (TOGAF ADM) samt Anwendung, neun ADM Techniken, Architekturergebnissen sowie der Enterprise Architecture Fähigkeit.
- Die über 30 TOGAF Series Guides sind weiterführende Dokumente für spezifische Anwendungsfälle wie Sicherheitsarchitektur, Digitales Unternehmen, EAM Fähigkeit, Agiles Unternehmen und Business Architecture. Es werden kontinuierlich weitere Series Guides veröffentlicht.

Dokumentenstruktur des TOGAF Standard
Neben dem Fundamental Content und den Series Guide finden Sie zusätzliches Begleitmaterial wie Pocket Guides, White Papers, Templates, und Referenzarchitekturen ebenfalls kostenfrei nach Anmeldung in der TOGAF Library.
Worin liegt der Mehrwert des TOGAF Standard?
Das vom globalen Konsortium The Open Group entwickelte und sich selbst als Standard bezeichnete branchenneutrale EA Rahmenwerk unterstützt Sie bei…
Identifikation von Veränderungspotentialen
z.B. Konkretisierung neuer Geschäftsmodelle, Abbau technischer Schulden, Migration in die Cloud oder Ausbau Cyber-Security
Ausplanung von Änderungsvorhaben
z.B. Digitalisierung von Geschäftsprozessen, Ablösung von Legacy Systemen und Austausch von Technologiekomponenten
Nachverfolgung von Umsetzungsprojekten
z.B. Migrations- und Implementierungsplanung, Programm & Projekt Governance und Architecture Change Management
Gleich im ersten Dokument „Introduction and Core Concepts“ der sechs Fundamental Content Dokumenten beschreibt der TOGAF Standard die Vorteile einer Unternehmensarchitektur. Damit schreibt sich der Standard als Best-Practice Framework für EA selbst zahlreiche Nutzeneigenschaften zu. Tatsächlich sind die aufgezählte Mehrwerte wie effektive und effiziente Betriebsabläufe & digitale Transformation oder besserer Einkauf & Return on Investment sehr generisch.
Aus unserer Sicht liefert Ihnen das EA Framework…
- einen konsistenten und praxiserprobten Begriffsapparat, der die Kommunikation von Business & IT in Breite und Tiefe Ihrer Organisation vereinfacht.
- Orientierung und Anleitung bei der Entwicklung und Nutzung von Unternehmensarchitekturen in strategischen, fachlichen und technischen Fragen auf Basis fundierter Modelle, Methoden und Techniken.
- beschleunigte Architekturarbeit mit Hilfe anpassbarer Prozessschablonen, Ergebnistypvorschlägen und Architekturchecklisten sowie der in der TOGAF Library vorhandenen Dokumentenvorlagen und Beispielen.
- eine hohe Bekanntheit und Verbreitung in der Disziplin Enterprise Architecture Management.
- Fallbeispiele und Good Practices für die Risikoreduktion in vielschichtige Änderungs- und Transformationsvorhaben, über Programm- und Projektebene bis zur Teilprojekt- und Einzellösung.
Ob Value Streams, Business Scenarios oder Architecture Principles – gerade die Fülle an Architekturdarstellungen, -Konzepten und -Praktiken macht das TOGAF Framework als Toolbox für die pragmatische Architekturarbeit für Sie interessant.
Was sind wichtigen Elemente des TOGAF Standard?
Mit Version 10 ist das TOGAF Framework gegenüber seinem direkten Vorgänger TOGAF 9.2 modularer geworden, gewinnt dabei zusätzlich in Umfang und Detailtiefe. Nachfolgend ein alphabetisch geordneter Überblick über wichtige Bestandteile des TOGAF Fundamental Contents. Für Einzelheiten, weitere Elemente des Architekturstandards sowie den TOGAF Series Guides Inhalten verweisen wir auf die gut strukturierte Digitalversion.
Architecture Abstraction
Mit dem TOGAF Standard (10th edition) bietet The Open Group eine Architekturtechnik für die Zerlegung eines Problems in handhabbare Teilprobleme. Das Rahmenwerk unterscheidet zwischen den vier Abstraktionsebenen:
- Warum – Kontextuell (Contextual) – Weshalb ist die Architektur notwendig?
- Was – Konzeptionell (Conceptual) – Welche Funktionen und andere Anforderungen müssen durch die Architektur erfüllt werden?
- Wie – Logisch (Logical) – Wie strukturieren wir die Funktionalität?
- Womit – Physisch (Physical) – Mit welchen Assets sollten wir die Struktur umsetzen?
Bemerkenswert finden wir die explizite Abgrenzung zum Zachman™ Enterprise Architecture Framework, folgt The Open Group mit den Architecture Abstractions ebenfalls einen perspektivenbasierten Ansatz.
Architecture Capability
Das EA Framework unterstützt Sie beim Aufbau einer Enterprise Architecture Capability, d.h. einer effektiven organisationsinternen Architekturfähigkeit. Dazu definiert das Rahmenwerk nutzbare Aufbau- und Ablaufstrukturen, Rollen und Governance Gremien. Eine einmal etablierte EA Fähigkeit begleitet Ihre Strategie-, Portfolio-, Projekt- und Betriebsaufgaben als Mittler zwischen den Stakeholdern.

TOGAF betrachtet Enterprise Architecture Management als zu etablierende Geschäftsfähigkeit eines Unternehmens
Architecture Content Framework
Das Architecture Content Framework (ACF) fungiert als Ordnungsstruktur für die mittels der Architecture Development Method (ADM) entwickelten…
- Ergebnisse (engl. Deliverables): Vertraglich vereinbarte und formal geprüfte und abgenommene Ergebnistypen der Architekturarbeit (z.B. die Architecture Vision, Architecture Requirements Specification, Architecture Definition Document) bestehend aus Artefakten
- Artefakte (engl. Artifcats): Ergebnistypen zur Beschreibung von Architekturen und deren Bausteine mittels Listen (z.B. Function Katalog), Matrizen (z.B. Stakeholder Map Matrix) und Diagrammen (z.B. Business Capability Map)
- Bausteine (engl. Building Blocks): Potentiell wiederverwendbare und miteinander kombinierbare Komponenten einer Architektur (z.B. Textverarbeitung) und Lösungen (z.B. MS Word)
Sie stellen mittels dem Rahmenmodell für Architekturarbeit sicher, dass die Ihre Architekturerzeugnisse strukturiert und zueinander konsistent sind.

Das TOGAF Content Framework gliedert die Ergebnisse der Architekturarbeit
Architecture Developmend Method (ADM)
Dreh- und Angelpunkt von TOGAF ist und bleibt auch in Version 10 ein wiederholbar iteratives Modell mit dem Sie von der erfassten Ist-Architektur (Current, As-Is oder Baseline Architecture) zur abgestimmten Ziel-Architektur (Future oder Target Architecture) über mögliche nutzenstiftende Plan-Architekturen (Transition Architectures) gelangen.
Neben der Erhebung von Ist, der Definition von Ziel und Ableitung von Plan schlägt Ihnen die 10-phasige Methode erprobte Konzepte für die Projektplanung, die Implementierung sowie dem Change Management vor. Der TOGAF Standard betont, dass die ADM als anpassbares und iterativ nutzbares Referenzmodell und nicht als statisches Wasserfall-Vorgehen zu verstehen ist.
Architecture Principles
Wie bereits sein Vorgänger definiert auch TOGAF 10 Prinzipien als langlebige generelle Regeln und Richtlinien, die eine Organisation in der Erfüllung der Mission unterstützen. Das Framework differenziert zwischen Enterprise Principles als Leitlinien für die Entscheidungsfindung sowie Architecture Principles als Leitlinien der Architekturarbeit. Zudem wartet der Standard mit zahlreichen Beispielen für die ADM Technik auf.
Architecture Repository
Als Ablageort für die (Zwischen-)Ergebnisse Ihrer Architekturarbeit fungiert das (Enterprise) Architecture Repository, eine Teilmenge des Enterprise Repositories.

Das Architecture Repository dient als Ablagestruktur für alle inhaltlichen & organisatorischen Enterprise Architecture Ergebnisse
Zentrale Elemente des Ergebnisspeichers sind Architecture Metamodel (mit Architecture Method und Enterprise Metamodel), Architecture Capability (mit Skills Repository, Organization Structure, Architecture Charter) und Architecture Landscape (mit Strategic, Segment und Capability Architectures), Standards Library (mit Business, Data, Application und Technology Standards) und Reference Library (mit Organization Referenz Materials), Governance Repository (mit Decision Log, Calendar, Compliance Assessments, Project Portfolio, Capability Assessments und Performance Measurement) und Architecture Requirements Repository (mit Strategic, Segments und Capability Requirements) sowie Solutions Landscape (mit Solution Building Blocks).
Enterprise Agility
Mit TOGAF Standard, 10th Edition hält die Agilität Einzug in Ihre Architekturarbeit. Das Framework hält dafür zwei Konzepte parat:
- Mittels Partitionen zerlegen Sie die bevorstehende Architekturarbeit in mehrere Initiativen.
- Abstraktionsebenen helfen Ihnen bei der Entwicklung von Architekturen auf unterschiedlichem Detailniveau.
Das Framework unterstreicht, dass es bei der Umsetzung von Enterprise Architekturen innerhalb der ADM Phase G (Implementation Governance) klassisches, hybrides sowie agiles Vorgehen der Umsetzungsprojekte unterstützt.
Enterprise Architecture Services
Über die Aktivitäten der Architecture Development Method (ADM) legt TOGAF in der 10 Fassung ein Diensteliefermodell (engl. Service Delivery Model). Enthaltene EA Dienstleistungen adressieren spezifische Bedarfe der Stakeholder bzgl. der Unternehmensarchitektur.
Das Spektrum reicht von Unterstützungs- (engl. Enterprise Support Services) bis Planungsdiensten (engl. Architecture Planning Services). Jeder Dienst beruht auf der Ausführung spezifischer Aktivitäten der ADM.
Enterprise Continuum
Das Enterprise Continuum ist ein Modell mit dem Sie ihre unternehmensintern konzipierten (z.B. Modelle, Patterns, Viewpoints) sowie extern verfügbaren (z.B. industriespezifische Referenzarchitekturen) Architektur- & Lösungsartefakte klassifizieren.

Das Enterprise Continuum ermöglicht die Kategorisierung und Wiederverwendung von Architekturergebnissen
Das Continuum beschreibt, wie Sie Architekturen von groben Foundation Architectures zu organisations-spezifischen Architekturen weiterentwickeln. Dazu unterteilt das Modell zwischen dem Architecture Continuum und dem Solutions Continuum. Kerngedanken ist die Wiederverwendung von generalisierte Architekturbeschreibungen als Grundlage und die sich anschließende schrittweise Adaption zur eigenen organisations-spezifischen Architekturergebnissen.
Enterprise Metamodel
Nutzen Sie das Enterprise Metamodel für die Präzisierung der in Ihren EA Ergebnissen relevanten Architekturelementen, Eigenschaften und Beziehungen. Neben einheitlichen Begriffen sorgt das Modell für Konsistenz, Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit in der Architekturarbeit.
Gemäß TOGAF haben Sie bei der Notation freie Wahl. Ob ArchiMate®, Business Process Modeling Notation™, Unified Modeling Language™, Flowchart oder Entity Relationship Diagramm – verwenden Sie für das Metamodel eine bereits etablierte Sprache. Für den Start bietet The Open Group Ihnen das anpassbare The TOGAF Core Enterprise Metamodel.
Interoperability
TOGAF betrachtet das Teilen von Informationen und Diensten für Organisationen als sehr wichtig und adressiert Interoperabilität auf fachlicher und technischer Ebene in fast allen Phasen seiner Architecture Development Method (ADM). So verwenden Sie die ADM Technik für die Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen, der Realisierung von IT-Systemschnittstellen sowie den Datenaustausch von Technologiekomponenten.
Wie funktioniert die TOGAF Architecture Development Method (ADM)?
Kernelement von TOGAF 10 ist weiterhin die Architecture Development Methode (TOGAF ADM), ein aus zehn Phasen bestehendes Modell zur Architekturplanung, -entwicklung und -umsetzung. Mit Version 10 definiert The Open Group die Kreisabbildung nicht mehr als Prozessrahmen, vielmehr als grafische Darstellung wichtiger Architekturaktivitäten & Informationsflüssen zur Erstellung von Architekturergebnissen.
Im TOGAF Fundamental Content finden Sie eine detaillierte Beschreibung von Input, Aktivitäten und Ergebnisse nebst praktischer Anwendung und weiterführenden Techniken. Das EA Framework empfiehlt, sieht jedoch in der TOGAF ADM keine Vorschrift für Ihre Architekturarbeit.
Nachfolgend eine Kurzübersicht für einen kompletten ADM Durchlauf. Ausgangspunkt ist ein Request for Architecture Work – die offizielle Anforderung für Architekturarbeit.

Die Architecture Development Method (ADM) ist das zentrale Vorgehensmodell des TOGAF Standards
- Phase A – Architecture Vision: Sie identifizieren die Stakeholder samt Bedarfen, fixieren den Scope des Architekturprojektes und holen sich das Mandat des Sponsors ein. Zudem skizzieren Sie eine Architekturvision, bemessen deren Geschäftswert und beurteilen Ihre Architecture Capability. Weitere Ergebnisse sind das Statement of Architecture Work als Arbeitsauftrag sowie ein Kommunikationsplan.
- Phase B – Business/ C – Information Systems/ D – Technology Architecture: Sie beschreiben den Ist-Stand der vier Architekturdomänen Business, Data, Application und Technology Architecture, verabschieden eine Ziel-Architektur und arbeiten Lücken samt füllender Roadmap Komponenten heraus. Ergebnisse sind u.a. eine verfeinerte Architecture Vision und ein Architecture Definition Document.
- Phase E – Opportunities & Solutions & F – Migration Planning: Nach Konsolidierung der Ergebnisse wählen Sie passende Lösungen für die Roadmap Komponenten auf Basis einer Kosten-, Nutzen- und Risikobetrachtung. Zudem entwerfen Sie eine Roadmap und ein Migrationsplan von der Ist-Architektur zur Ziel-Architektur über mögliche Plan-Architekturen inklusive benötigter Projekte und Arbeitspakete.
- Phase G – Implementation Governance: Während der Ziel-Architekturumsetzung übernehmen Sie eine vorgebende und steuernde Rolle. Über Architecture Compliance Reviews stellen Sie sicher, dass die Projekte ihre Ergebnisse frist-, leistungs- und budgetgerecht gemäß vereinbarten Architecture Kontrakten liefern. Zudem bringen Sie Architekturwissen und -kompetenzen aus Gesamtperspektive ein, optimieren Ende-zu-Ende und führen nach Abschluss ein Post-Implementation Review durch.
- Phase H – Architecture Change Management: In der finalen Phasen sorgen Sie dafür, dass Ihre Organisation den versprochenen Geschäftswert durch Nutzung der Ziel-Architektur realisiert. Sie managen die einhergehenden Risiken und nehmen neue bzw. geänderte Anforderungen entgegen. Diese bilden die Grundlage für einen Architecture Change Request und damit einen neuen Architekturzyklus durch die ADM.
In einer vorgelagerten Phase etablieren Sie eine organisationsspezifische Architekturfähigkeit. Zudem gewährleisten Sie mittels einem zentralen Requirements Management den kontinuierlichen systematischen Umgang mit Anforderungen an die zu realisierende Enterprise Architecture.
Innerhalb der TOGAF ADM dürfen Sie einzelne und mehrere Phasen iterative wiederholen bzw. überspringen. Auch ein Springen zwischen Phasen ist möglich. Sie entscheiden, in welcher Betrachtungsbreite und mit welchem Detailniveau, über welche Dauer und mit welchen Ergebnissen Sie eine Phase durchlaufen. Schließlich können mehrere Architekturprojekte parallel die Architecture Development Method für Ihre Organisation umsetzen.
Allein im TOGAF Standard umfassen Fundamental Content und Series Guides knapp 40 Einzeldokumente. Wählen Sie daher auf Basis der aktuellen ADM Phase die für Ihre Architekturfragestellung relevanten TOGAF Modelle, Darstellungen & Techniken aus.
Was sind Nachteile im TOGAF Framework?
Auch wenn es sich nach über drei Jahrzehnten in seiner zehnten Entwicklungsstufe befindet und von über 200 Teilnehmerorganisationen arbeitsteilig vorangetrieben wird, besitzt das bekannte Enterprise Architecture Framework immer noch Schwächen.
Nachfolgende die aus unserer Sicht gravierendsten TOGAF Nachteile:
- Hohe Konzeptvielfalt: Architecture Abstraction, Content Framework, Segment Architecture – im dichten Konzeptejungel von TOGAF gehen auch wir regelmäßig verloren. Weniger ist mehr. Architekturarbeit ist Mittel zum Zweck und muss gegenüber fachfremden Stakeholdern einfach kommunizierbar bleiben. Speziell bei einer TOGAF Einführung ist das Weglassen und Abstrahieren aufgrund der hohen Materialfülle entscheidend.
- Wenig Anforderungsmanagement: In der zentralen Requirements Engineering Phase bietet TOGAF mit der Business Scenario Technik und der knappen Phasenbeschreibung nur geringe Hilfestellung. Dabei zählen für uns die Anforderungen zu einen der wichtigsten Bausteine im EAM. Anforderungen effektiv zu ermitteln, zu dokumentieren, zu prüfen, abzustimmen und zu verwalten sehen wir als eine Kernaktivität von Enterprise Architekten.
- Organisationsspezifische Anpassung: Mit 6 Kerndokumenten und über 30 Zusatzleitfäden müssen Sie das EA Framework vor Einsatz an Ihre Organisation individuell anpassen. Für eine bezahlbare Architekturfähigkeit empfehlen wir anforderungsadäquate Teile des Frameworks schrittweise auszuwählen und zu verproben. Das Rahmenwerk betont mehrfach das notwendige Tailoring. Neben Kenntnissen insb. der TOGAF ADM benötigen Sie dafür Zeit und Erfahrung.
- Geringe Operationalisierung: Rollen, Verantwortlichkeiten, Meetingstrukturen und Regeln gibt der TOGAF Standard nur in Teilen bzw. auf grober Ebene vor. Das Fehlen dieser Operational Governance schafft zwar Flexibilität und Anpassbarkeit, erschwert jedoch die operative Adaption und praktische Anwendung. Im Gegensatz bieten Scrum oder Scaled-Agile-Frameworks klare Aufbau- und Ablaufmodelle, an denen sich Teams ausrichten können.
- Schwache Kommunikationsunterstützung: Änderungsbedarfe erfassen, Entscheidungen vorbereiten, Betroffene einbinden – Architekturarbeit ist Kommunikationsarbeit. Obwohl das EA Framework den Stellenwert von Interessensvertretern, Trade-off Diskussionen und Stakeholdermanagement betont, lässt es offen, wie die verschiedenen Akteure im Unternehmen im Architekturalltag abgeholt, eingebunden und zufriedengestellt werden können.
Enterprise Architecture Management mit dem TOGAF Standard ist kein Selbstzweck. Nutzen Sie das populäre Rahmenwerk von The Open Group als das, was es ist – eine Werkzeugkiste gefüllt mit erprobten Methoden, Modellen und Konzepten, die Sie bei der Architekturarbeit unterstützen.
Wie hilft der TOGAF Standard konkret in der Architekturarbeit?
Mit dem TOGAF Standard erhalten Sie ein umfassendes modulares Vorgehensmodell inklusive Rollen, Ergebnistypen sowie Praxistipps zur Planung, Entwicklung und Einsatz von Unternehmensarchitekturen. Das EA Framework stellt Ihnen die Methoden und Werkzeuge zur Verfügung, die bei der Akzeptanz, Erstellung, Nutzung und Wartung einer Unternehmensarchitektur helfen. Er basiert auf einem iterativen Prozessmodell, das durch Best Practices und einen wiederverwendbaren Satz bestehender Architektur-Assets unterstützt wird.
Die TOGAF Standard (10th Edition) ist deutlich strukturierter als die Vorgängerfassung, obwohl das Rahmenwerk auf zusätzliche Facetten wie Architecture Abstractions, Digital Transformation und Enterprise Agility eingeht. Dennoch bleibt auch die zehnte Fassung des TOGAF Frameworks sehr umfangreich und damit in vollständiger Umsetzung gerade für mittlere und große Organisationen relevant.
Wir empfehlen, das TOGAF Framework auf Ihre organisationsspezifischen EA Fragestellungen zu adaptieren und anschließend für die Ausrichtung der Business und IT-Bereiche anzuwenden. Gerne unterstützen wir Sie bei einer Einführung eines pragmatischen Enterprise Architecture Ansatz basierend auf dem TOGAF Standard (10th Edition).
TOGAF® ist eine eingetragene Marke von The Open Group®.
Palladio Consulting GmbH & Co. KG ist Inhaber einer TOGAF® Standard, Version 9.2 & 10 Commercial License. Damit ist Palladio Consulting GmbH & Co. KG berechtigt, die im Artikel verwendeten Grafiken, Logos und Inhalte zu verwenden.
Palladio Consulting Consulting GmbH & Co. KG ist Anbieter von TOGAF Trainingskursen akkreditiert durch The Open Group.
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TOGAF Standard – Audio, Video & Text
- Josey, A., Hornford, D.: The TOGAF® Standard, 10th Edition – A Pocket Guide: TOGAF® Standard, Van Haren Publishing, 2022
- The Open Group Standard: The TOGAF® Standard, Version 10 (letzter Abruf: 08.04.2025)
- White, S. K.: What is TOGAF? An enterprise architecture methodology for business (letzter Abruf: 08.04.2025)
- White, S. K.: What’s new in TOGAF 10? (letzter Abruf: 08.04.2025)
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